Streit beendet
07. April 2017

NS-Raubkunst: Zwei Holocaust-Überlebende einigen sich

Ein Liebermann-Gemälde wird 1939 von den Nazis geraubt. Es taucht in Israel wieder auf. Doch zwischen dem US-Erben und dem israelischen Besitzer kommt es zum Streit. Ihre Einigung sorgt für Erleichterung.

Die Korbflechter
Der Jerusalemer Rechtsanwalt Meir Heller mit dem Liebermann-Gemälde «Die Korbflechter». Foto: Ariel Schalit
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Jerusalem (dpa) - Im bitteren Streit um ein von den Nazis geraubtes Gemälde von Max Liebermann haben zwei Holocaust-Überlebende eine gütliche Einigung gefunden.

Der israelische Anwalt Meir Heller bestätigte am Freitag, sein Mandant habe zugestimmt, das Bild «Die Korbflechter» von Liebermann (1847-1935) an den Erben David Toren in den USA abzugeben. «Er ist sehr erleichtert», sagte Heller der Deutschen Presse-Agentur.

Die verschlungene Geschichte hatte 1939 begonnen, als der jüdische Unternehmer und Kunstsammler David Friedmann aus Breslau (polnisch Wrocław) vor den Nationalsozialisten fliehen musste. Seine große Kunstsammlung wurde von den Nazis beschlagnahmt, einige Bilder endeten in der Gurlitt-Sammlung. 1942 wurde Friedmann von den Nazis ermordet.

Im Jahre 2000 habe sein in Israel lebender Mandant, der seinen Namen nicht preisgeben will, das impressionistische Gemälde «Die Korbflechter» bei einer Versteigerung in der Villa Grisebach in Berlin für 130 000 Mark gekauft, sagte Heller. «Er wusste nicht von dem schrecklichen historischen Hintergrund», erklärte der Anwalt. «Er ist selbst Holocaust-Überlebender und hat gegen die Nazis gekämpft.» Er sei über 90 Jahre alt und habe viele Angehörige im Holocaust verloren.

Vor einem Jahr sei er auf einen Appell des Friedmann-Erben David Toren zur Rückgabe des Gemäldes aufmerksam geworden. Sein Mandant sei schockiert über die Erkenntnis gewesen, dass er NS-Raubkunst in seinem Besitz hatte. «Er wollte das Bild danach nicht mehr haben, er empfand nur noch Abscheu.»

Parallel zu Kontakten mit der israelischen Gesellschaft für Restitution nahm Heller Kontakt mit Torens Sohn Peter auf, der als Rechtsanwalt in Washington arbeitet. Torens Antwort habe seinen Mandanten jedoch zutiefst verletzt. «Toren hat angedeutet, dass mein Mandant in Wirklichkeit wusste, dass es sich bei den in der Villa Grisebach versteigerte Werken um Raubkunst handelte», sagte Heller. «Das war für ihn eine unerträgliche Beleidigung, er forderte eine Entschuldigung und danach herrschte erst einmal Funkstille.»

Erst ein Treffen Hellers mit Peter Toren in Washington brachte dann einen Durchbruch. «Das Eis ist gebrochen, er entschuldigte sich.» Das Gemälde solle nun in die USA gebracht und sein Mandant von Toren entschädigt werden. «Er hat letztlich kein Geld verloren.» Für David Toren ist es allerdings ein bittersüßer Sieg: Er ist inzwischen erblindet und kann das Gemälde nicht mehr sehen.

Die Entschädigungssumme, die er nicht nennen wollte, solle Holocaust-Überlebenden in Israel zugute kommen, sagte Heller. «Dieser Fall war mit so vielen Gefühlen belastet - aber jetzt spürt mein Mandant nur noch große Erleichterung.»

Meir Heller

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