31. Mai 2012

Festival «Zappanale» kann weitermachen

Karlsruhe/Bad Doberan (dpa) - Ein Stück DDR-Widerstand darf weiterleben: Das Festival «Zappanale», das sein Debüt im Frühjahr 1989 noch unter Aufsicht der Stasi feierte, hat sich vor Gericht durchgesetzt.

«Zappanale»
Zappa weht in Bad Doberan. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
dpa

Und das ist ganz im Sinne seines widerborstigen Namensgebers Frank Zappa, sind sich die Organisatoren sicher. «Zappa stand für die Freiheit der Künstler und der Musik und gegen ein Monopol der Musikindustrie - und dafür stehen wir auch», sagt Thomas Dippel, Vorsitzender des verantwortlichen Vereins Arf-Society in Bad Doberan (Mecklenburg-Vorpommern).

Daran hindern wollte sie die Witwe des 1993 gestorbenen Künstlers, Gail Zappa. Die als sehr streitlustig geltende Lady hatte verlangt, dass sich die «Zappanale» umbenennen und den Verkauf von Werbeartikeln mit Zappa-Bild und Zappa-Bart einstellen solle. Nur sie habe die Rechte an der Marke «ZAPPA».

Der Rechtsstreit zieht sich seit vier Jahren durch die Instanzen und ist jetzt höchstrichterlich entschieden worden - zugunsten des Festivals. Die Begründung: Gail Zappa hat die Marke nicht für spezielle ZAPPA-Angebote genutzt und damit ist die Marke verfallen. Die Zappa-Jünger von der Ostsee haben also freie Hand.

Die Erleichterung ist Thomas Dippel ins Gesicht geschrieben. «Diesen Tag werde ich nicht vergessen», sagt er. Jedes andere Urteil hätte das Ende des Festivals bedeutet, das im August seine 23. Auflage erlebt. «Innerhalb so kurzer Zeit, mitten im Vorverkauf, den Namen zu ändern, das wäre ein finanzielles Desaster geworden.» Zudem hätte der Verein Gerichtskosten im fünfstelligen Bereich zahlen müssen, die jetzt an Gail Zappa hängenbleiben - von Strafgeldern ganz abgesehen.

Und Geld ist der wunde Punkt der «Zappanale», die auf einen harten Kern von etwa 8000 Fans zählen kann. Etliche davon haben die aufmüpfingen Lieder des amerikanischen Musikers zu DDR-Zeiten heimlich im Keller gehört. Die Platten fanden ihren Weg meist über Skandinavien in den abgeschotteten Staat.

«Zappa war nicht nur ein musikalisches Multitalent, er war auch politisch, hat etwa seine Musikerkollegen aufgefordert, zur Wahl zu gehen», erklärt Dippel die Begeisterung. «Wenn die Fans heute zum Festival kommen, geht es ihnen nicht nur um die Musik von Zappa, die etwa 70 Prozent der Veranstaltung ausmacht. Es geht um die Gemeinschaft, um die Werte, für die Zappa steht, und die heute nur noch wenig zählen.»

Diese Fangemeinde ist aber eigentlich zu klein, um das Festival finanziell über die Runden zu bringen. Angesichts des schwelenden Gerichtsverfahrens haben die Veranstalter deshalb in diesem Jahr alles oder nichts gespielt und groß aufgefahren. Besonders stolz ist Dippel auf die Verpflichtung von Georg Duke, der mit Jean-Luc Ponty auftritt. Insgesamt sind an den vier Tagen vom 1. bis zum 4. August knapp 30 Bands gebucht.

Als Bonus haben die Organisatoren noch einen fünften Tag angehängt mit Weltstar Alice Cooper, dessen erste Platte Frank Zappa produziert hat. «Er soll das Geld einspielen für die anderen Bands», erklärt Dippel. «Aber der Vorverkauf verläuft katastrophal.» Vielleicht sorgt ja das Urteil für gesteigertes Interesse, hofft er. «Wir werden entweder die Kurve kriegen oder mit großer Geste untergehen.»

Zappanale

Zappa-Website

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