16. April 2014

Höhen und Tiefen: Dusty Springfield würde 75

London (dpa) - Die «New York Times» bezeichnete Dusty Springfield einmal als beste «Popsängerin Großbritanniens». Andere Musiker schwärmten ein wenig neidisch von ihrer einzigartigen Soul-Stimme. Elton John sagte einmal: «Ich glaube, sie ist die größte weiße Sängerin, die es je gab».

Dusty Springfield
Dusty Springfield im Jahr 1970. Foto: Hans Dürrwald
dpa

1968 hatte Dusty Springfield mit «Son Of A Preacher Man» ihren größten Hit. Noch heute - 15 Jahre nach ihrem Tod - ist die gebürtige Londonerin damit regelmäßig im Radio zu hören. Am 16. April wäre sie 75 Jahre alt geworden.

«Sie war Englands Pop-Queen, eine extravagante Erscheinung mit Soul in der Stimme und den Augen einer Sphinx. Sie liebte glamouröse Auftritte und das Drama großer Songs, doch verbarg sich unter all ihrem Make-up und den überdimensionalen Perücken ein verletzliches, von irrationalen Ängsten und Selbstzweifeln geplagtes Mädchen», schrieb der «Rolling Stone» 2005 treffend über den Weltstar.

In den 1960er Jahren war sie mit blonder Bienenkorbfrisur, künstlichen Wimpern, üppigen Lidstrichen und exzentrischen Roben zudem zur Stil-Ikone geworden. Doch so sehr Dusty Springfield es auch versuchte, sie konnte ihre innere Zerrissenheit nicht verstecken. Ihre einzigartige Stimme offenbarte ihre Verletzlichkeit und Verwundbarkeit überall dort, wo sie zu hören war.

Sie hatte schreckliche Angst davor, auf der Bühne zu stehen. Ihre Extravaganz war genau wie ihr Künstlername der Versuch, eine Person verschwinden zu lassen, mit der sich die Sängerin bis zum Ende ihres Lebens nicht anfreunden konnte. «Ich fühlte mich wie ein hässliches, fettes Kind aus der Arbeiterklasse», hatte Dusty Springfield einmal gesagt.

Den Wunsch nach einer große Bühnenkarriere spürte sie schon früh. Als Teenager begann sie in den 1950er Jahren, in der Garage ihres Elternhauses in Hampstead im Londoner Norden an ihrem Gesang zu arbeiten. Ihr Vater machte es sich zum Hobby, ihre Lieder per Radio in die Wohnungen der Nachbarn zu senden.

Dusty Springfield jobbte in einem Plattenladen. Dort sang sie jeden Song mit, der über die Theke ging. 1958 kam sie per Zufall zu den Lana-Sisters. 1960 gründete sie mit ihrem Bruder Tom Springfield und Tim Field das Folktrio The Springfields und hatte damit erste Erfolge in den USA.

1964 startete sie dann ihre Solo-Karriere und wurde noch im selben Jahr mit «I only want to be with you» und «Wishin' And Hopin'» zum weltweiten Star. Ihren größten Hit «Son Of A Preacher Man» nutzte Quentin Tarantino 1995 noch einmal im Soundtrack seines Kult-Films «Pulp Fiction».

In den 1970er Jahren ging es für Dusty Springfield bergab. Ihr Leben war geprägt von einer tragischen Ruhelosigkeit. Sie lebte teilweise in den USA. «Ich hasse Verpflichtungen und bin dankbar, dass ich ein Leben führen kann, das mir mehr bietet, als wenn ich einen normalen Job hätte», sagte sie einmal. In einem Interview erklärte sie: «Es gibt immer noch ein anderes Motel auf dem Weg. So lange das Leben etwas bietet, interessiert mich das».

Diese Neugier war nicht immer positiv. Es gab Phasen, da benahm sie sich glänzend daneben. In einigen Hotels hatte sie Hausverbot, weil sie regelmäßig Porzellan zerdepperte. Sie prügelte sich mit Jazz-Schlagzeuger Buddy Rich und sprach offen über ihre angebliche Bisexualität.

Nach Jahren voller Alkohol, Drogen und Flops ließen sie die «Pet Shop Boys» 1987 bei «What Have I Done Tto Deserve This?» mitsingen und verhalfen ihr zu einem spektakulären Comeback in die Charts. «Als wir sie 1986 zum ersten Mal trafen, sahen wir eine gebrochene Frau», erzählte Neil Tennant später.

Kurz nach der Veröffentlichung ihres Albums «A Very Fine Love» 1994 wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. Um die bestmögliche Behandlung finanzieren zu können, verkaufte sie alle Rechte an ihren Songs. Doch auch das konnte sie nicht retten: Am 2. März 1999 starb Dusty Springfield, sechs Wochen vor ihrem 60. Geburtstag.

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