25. Mai 2012

Schwedische Top-Favoritin Loreen im ESC-Finale

Baku (dpa) - Die Frauen sind schrill und wild, die Männer sanft und gefühlvoll: Das Finale des Eurovision Song Contest in Baku wird auch zu einem Wettkampf der Geschlechter und Temperamente.

Eurovision Song Contest - 2nd semi-final
Loreen aus Schweden gilt als große Favoritin. Foto: Jörg Carstensen
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Eurovision Song Contest - 2nd semi-final
Loreen steht im Finale. Jörg Carstensen
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Eurovision Song Contest - 2nd semi-final
Tooji gehen für Norwegen ins Rennen. Foto: Jörg Carstensen
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Eurovision Song Contest - 2nd semi-final
Lena Meyer-Landrut stand mit dem Norweger Alexander Rybak auf der Bühne. Foto: Jörg Carstensen
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Die mystische Pop-Hexe Loreen aus Schweden, die stampfenden Trachten-Omas Buranowskije Babuschki aus Russland und die ukrainische Stadion-Einpeitscherin Gaitana messen sich mit geballter männlicher Balladenpower. Sie treffen beim großen Finale am Samstagabend (21.00 Uhr) auf charmante Bubis wie Roman Lob aus Deutschland und Ott Lepland aus Estland oder den britischen Alt-Charmeur Engelbert Humperdinck.

Nach wie vor überschattete aber die Diskussion um die Demokratie im autoritär regierten Aserbaidschan den Musikwettbewerb. In Baku wurden nach Angaben des Internetportals <contact.az» weit mehr als 30 Regierungsgegner bei einem friedlichen Schweigemarsch festgenommen. Bereits in den vergangenen Tagen waren die Sicherheitskräfte trotz der Anwesenheit zahlreicher internationaler Berichterstatter wiederholt massiv gegen Andersdenkende vorgegangen.

Die Führung von Präsident Ilcham Alijew wies jedoch eine Resolution des EU-Parlaments in Straßburg scharf zurück, in der Baku zur Einhaltung der Menschenrechte aufgefordert wurde. Die Annahme des Beschlusses während des ESC sei «voreilig, unausgereift, falsch und unfair», sagte ein Sprecher des Außenministeriums nach Medienangaben. Die Ex-Sowjetrepublik im Südkaukasus wirft dem Westen vor, Erfolge des Landes am Kaspischen Meer absichtlich zu ignorieren.

In der glitzernden Crystal Hall am Meeresufer jedoch drehte sich alles nur um die Musik: Nach dem zweiten Halbfinale am Donnerstag war klar, dass die Frauen beim ESC wieder den Ton angeben. Zwölf Solo-Interpretinnen sind im Finale mit 26 Teilnehmern - und bei drei Musikgruppen stehen Frauen an vorderster Stelle. Schon 34 Mal haben Sängerinnen in der Grand-Prix-Geschichte seit 1956 triumphiert, 16 Mal Musikgruppen/Duos und nur neunmal Solo-Männer.

Also keine leichte Aufgabe für Roman Lob & Co., doch dem 21-Jährigen mit dem Welpenblick werden mit seiner eingängigen Ballade «Standing Still» - geschrieben vom englischen Popstar Jamie Cullum - in der Fangemeinde gute Chancen eingeräumt. Demonstrative Unterstützung erhielt der gelernte Industriemechaniker aus Rheinland-Pfalz von Grand-Prix-Siegerin Lena. Bei der Abschlusspressekonferenz stürmte die 21-Jährige, die 2010 mit dem Titel «Satellite» siegte, mit einem Jubelschrei auf die Bühne. «He is a great boy», sagte die Sängerin. Roman sei ein großartiger Junge.

Auch Engelbert, mit 76 Jahren der älteste Solo-Interpret beim ESC, hat die Fach- und Fanwelt mit seiner starken Ballade «Love Will Set You Free» und seiner freundlichen Coolness überzeugt. Er wird den Wettbewerb am Samstag mit der Startnummer 1 eröffnen, Lob ist als 20. an der Reihe. Als weiterer Balladen-Favorit gilt der Este Ott Lepland mit seinem Ohrwurm «Kuula» (Höre).

Ein ganz anderes Kaliber sind da die wilden Weiber des ESC - allen voran Loreen, die mit ihrem Mystik-Dance-Popsong «Euphoria» seit Tagen als Top-Favoritin gehandelt wird. Auch die dunkelhäutige Gaitana macht mit ihrer wilden Tanzshow, Männern in Röcken und ihrem stadiontauglichen Song «Be My Guest» eine gute Figur - und Lust auf die Fußball-EM in ihrer Heimat Ukraine, die aber ebenso wie ESC-Gastgeber Aserbaidschan wegen Menschenrechtsverstößen in der Kritik steht.

Mindestens ebenso schrill sind die Omis aus Udmurtien: Die sechs Buranowskije Babuschki zwischen 43 und 76 Jahren begeistern mit ihrer Lebensfreude, bunten Trachten, Bastschuhen und ihrem Feiersong «Party For Everybody» die gesamte ESC-Partygemeinde in Baku und vor dem TV.

Doch auch die Männer können ordentlich Rabatz machen auf der Bühne: Die hyperaktiven Jedward-Zwillinge aus Irland hüpfen zu ihrem neuen Song «Waterline» immer noch wie Flummis über die Bühne, obwohl es fraglich ist, ob sie ihren Platz acht aus dem Vorjahr wiederholen können; die Türken machen mit Can Bonomo und «Love Me Back» rockigen Ethno-Pop zum Programm und der Moldauer Pasha Parfeny beweist mit «Lautar» Lebenslust zwischen Polka und Swing.

Doch viele hoffnungsfrohe Grand-Prix-Nationen werden am Samstagabend nur sehnsüchtig und leicht neidisch nach Baku blicken: Zu den 16 Kandidatenländern, die in den beiden Halbfinals dieser Woche ausgeschieden sind, gehören auch die deutschen Nachbarn Belgien, Niederlande, Österreich und Schweiz. Insgesamt hatten in diesem Jahr 42 Nationen beim ESC mitgemacht.

Trotz aller Freude und der bunten Partystimmung ist der ESC in Aserbaidschan kein Grand Prix wie jeder andere. Die Diskussionen um Menschenrechtsverletzungen und Korruption dauern seit Wochen an. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck forderte am Freitag, die Lage der Menschenrechte auch nach dem ESC nicht aus den Augen zu verlieren. Er befürchtet «ein hartes Schicksal» für Menschenrechtsaktivisten. Es sei zu befürchten, dass die Zahl der politischen Gefangenen im Land «deutlich» ansteige. Seit Tagen sind mehrere Regierungsgegner in einem Hungerstreik, um damit für die Freilassung politischer Gefangener zu demonstrieren.

Eurovision in Baku

ESC-Seite, international

Informationen des Auswärtigen Amtes über Aserbaidschan

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