26. August 2012

Blick voraus auf 2013 - Bayreuther Festspiele enden

Bayreuth (dpa) - Am Dienstag (28. August) öffnet sich zum letzten Mal in diesem Jahr der Vorhang im Bayreuther Festspielhaus. Und dann? Wird es wieder ruhig werden bis zum nächsten Sommer? Nein - denn am 22. Mai 2013 wird das Haus ausnahmsweise außerhalb der Festspielzeit aufgesperrt.

Bayreuther Festspiele enden
Das Festspielhaus am Grünen Hügel in Bayreuth. Foto: David Ebener
dpa

Es gilt den 200. Geburtstag Richard Wagners zu feiern. Beim Jubiläumskonzert wird Christian Thielemann, einer der derzeit bedeutendsten Wagner-Dirigenten, das Festspielorchester leiten. Er war auch in diesem Jahr in Bayreuth der allseits umjubelte Star.

Bei den 101. Festspielen war die Neugierde auf das kommende Jubiläumsjahr deutlich zu spüren. Schließlich steht ein neuer «Ring» an. Frank Castorf, Intendant der Berliner Volksbühne, wird inszenieren. Wird er seinem Ruf als Stückezertrümmerer gerecht, so ist mit lauten Buhs des eher konservativ geprägten Publikums zu rechnen. Daran haben sich die Regisseure in Bayreuth ja fast schon gewöhnt. Auch Philipp Gloger, verantwortlich für die diesjährige Neuproduktion, erntete keinen ungeteilten Beifall. Dabei stand die Premiere der Oper «Der Fliegende Holländer» unter keinem guten Stern: Der für die Titelpartie vorgesehene Evgeny Nikitin reiste wegen umstrittener Tattoos wenige Tage vor dem Festspielstart ab. Das Festival hatte seinen Eklat schon vor der Premiere.

Für das Jubiläumsjahr 2013 legen sich die Festspiele kräftig ins Zeug. «Eine Menge Arbeit» stehe an, sagt Chefin Katharina Wagner. In Kooperation mit der Oper Leipzig - in der sächsischen Stadt wurde Richard Wagner geboren - werden die drei Frühwerke («Rienzi», «Die Feen», «Liebesverbot») auf die Bühne gebracht - allerdings nicht im Festspielhaus, denn das ist traditionsgemäß allein für die späten Opern reserviert. Außerdem werde dort von April 2013 an für den «Ring» geprobt, sagt Wagner.

Man tritt in der Oberfrankenhalle auf, wo sonst beispielsweise Basketball gespielt wird. Die Stadt will aber Umbauarbeiten leisten, um die Akustik Opern-tauglich zu machen.

Das ist der Blick voraus. Doch auch der Blick zurück bestimmte die 101. Festspielsaison. Katharina Wagner geriet unter Druck wegen der angeblich schleppenden Aufarbeitung der Vergangenheit am Grünen Hügel. Als sie gemeinsam mit ihrer Halbschwester Eva Wagner-Pasquier die Festspiel-Leitung übernommen hatte, kündigte sie an, den Nachlass ihres Vaters Wolfgang der Forschung zu öffnen.

Dass es dann still um dieses Vorhaben wurde, stieß bei einigen Historikern auf heftige Kritik. Katharina Wagner wurde Verschleppung und gar Vertuschung vorgeworfen. Der Journalist und Historiker Peter Siebenmorgen, von Katharina Wagner mit der Sichtung des Nachlasses beauftragt, reagierte: «Was ist denn da noch zu vertuschen? Dass der Grüne Hügel im Dritten Reich eine zutiefst braune Veranstaltung gewesen ist, wissen wir doch längst», sagte er dem «Nordbayerischen Kurier». Reportern dieser Zeitung gewährte Katharina Wagner auch einen Blick in die Unterlagen ihres Vaters, die sich noch in Bayreuth befinden. Genauer gesagt in einem nicht mehr genutzten Schwimmbad im früheren Wohnhaus Wolfgang Wagners.

Aber auch andere Baustellen warten auf das Duo. Die Halbschwestern hatten beim Verwaltungsrat der Festspiele energisch einen dritten Geschäftsführer eingefordert, der sich als Fachmann fürs Kaufmännische um Verwaltungsaufgaben kümmern sollte. Dann hätten sie den Rücken frei, um die künstlerischen Belange zu betreuen. Vor Beginn der Festspiele wurde Patrick Wasserbauer, geschäftsführender Direktor der Kölner Bühnen, als heißer Kandidat genannt. In dieser Personalfrage habe man noch keine weiteren Schritte unternommen, sagt Toni Schmid, Chef des Verwaltungsrats: «Während der Festspielzeit ruht alles andere. Der August gehört dem Werk Wagners.»

Und: Die umfangreiche Sanierung des in die Jahre gekommenen Festspielhauses steht unmittelbar bevor. Laut Schmid stehen nun weitere Gespräche mit der Politik wegen der Finanzierung an: «Die Planungen werden vorangetrieben.»

Bayreuther Festspiele

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