10. Mai 2012

Daniel Buren: Farbenrausch im Grand Palais

Paris (dpa) - 377 bunte Kreise auf 1500 schwarzen und weißen Pfeilern: Der französische Künstler Daniel Buren (74) hat mit seinem typischen Spiel aus Farben und geometrischen Formen den Pariser Grand Palais in eine labyrinthartige Wandelhalle verwandelt.

Daniel Buren
Die Sonne muss mitspielen. Foto: Didier Plowy
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Eine Detailansicht von Daniel Burens «Excentrique(s), travail in situ». Foto: Didier Plowy
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Daniel Buren im Grand Palais. Foto: Didier Plowy
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Daniel Burens Farbenspiel im Grand Palais. Foto: Didier Plowy
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Daniel Buren macht den Grand Palais bunt. Foto: Didier Plowy
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Unter dem Titel «Excentrique(s)» lässt Buren die Besucher in ein wahres Farbengewitter geraten - wenn der Wettergott mitspielt. Fällt genügend Sonne durch das riesige Glasdach, reflektieren die Farben der gelben, blauen, grünen und orangefarbenen Plastikkreise auf dem grauen Betonboden.

Buren braucht Licht, viel Licht. Ohne Helle und Leuchtkraft wirkt sein Pfeilerwald in dem riesigen Bauch des Grand Palais verloren. Den Launen des Wettergotts entkommt man aber, wenn man die Ausstellung abends besucht: Nach Einbruch der Dunkelheit wird das Werk von Projektoren beleuchtet.

Buren ist nach Anselm Kiefer, Richard Serra, Christian Boltanski und Anish Kapoor der fünfte Künstler, der zur jährlichen «Monumenta» den riesigen Grand Palais bespielt. Der 74-Jährige tritt ein schweres Erbe an. Kapoors aufblasbares Luftballon-Monster im vergangenen Jahr zog in nur sechs Wochen rund 280 000 Besucher an. Während der Brite das Volumen der 13 500 Quadratmeter großen und bis zu 45 Meter hohen Ausstellungshalle spürbar machte, kämpft Buren gegen die Ästhetik der zum Himmel strebenden Struktur an.

«Ich will das Licht dieses Glastempels benutzen», erklärte Buren vor knapp zwei Monaten. Auf Papier klang sein Konzept gut: Mit den reflektierenden Farben das Licht nach unten brechen und auf Augenhöhe des Besuchers holen. «Wie das vor Ort funktionieren wird, bleibt ein Endrisiko und eine Überraschung», fügte Buren damals hinzu.

Statt durch das große pompöse Hauptportal tritt der Besucher durch einen Seiteneingang in die größte Ausstellungshalle von Paris. Damit will Buren vermeiden, dass die Aufmerksamkeit von dem riesigen Volumen aufgesaugt wird. Durch einen kleinen Gang führt er den Besucher in seine Wandelhalle aus 1500 Pfeilern, deren erster Effekt an Spiegellabyrinthe auf Jahrmärkten erinnert.

Hauptsächlich auf den Boden schaut man bei Burens Werk, wenn bei genügend Licht die Kreise herrliche Farbbilder auf den sonst nackten Betonboden zaubern. Der Blick nach oben ist nur in der Mitte des Grand Palais frei. Dort hat der Künstler neun Podien aus Spiegelglas aufgestellt, in denen sich die 45 Meter hohe Glaskuppel reflektiert.

Buren hat damit ein Gesamtkunstwerk geschaffen: Die Cafeteria und die Buchhandlung sind in sein Farbspiel auch mit einbezogen. Dass Buren, der hauptsächlich im öffentlichen Raum arbeitet, die Form der Glaskathedrale jedoch fast völlig ignoriert, erstaunt. Offensichtlich lockte den «Maestro», wie ihn die französische Fachpresse nennt, das wechselnde Licht mehr als die Frage nach der Form.

Monumenta

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