14. Juli 2013

Dieben stehlen wertvolle Luther-Schriften in Eisenach

Eisenach (dpa) - Zwei Tage nach dem dreisten Diebstahl von drei originalen Luther-Schriften aus einer Vitrine im Lutherhaus Eisenach tappen die Ermittler noch im Dunkeln. Es gebe noch keinerlei Erkenntnisse zu den möglichen Tätern, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag in Gotha.

Luther-Schriften gestohlen
Das Fach in einer Vitrine ist leer. Foto: Kathleen Sturm
dpa

Es handelt sich um die Flugschriften «An den Christlichen Adel deutscher Nation» aus dem Jahr 1520, «An die Radherrn aller stedte» von 1524 sowie die «Lutherpredigt, das man Kinder zur Schulen halten soll» von 1530. Der wissenschaftliche Leiter des Lutherhauses, Jochen Birkenmeier», sprach «von einem ganz herben Verlust, der nicht ohne weiteres zu ersetzen ist». Der materielle Wert der Beute werde auf etwa 60 000 Euro geschätzt.

Die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Ilse Junkermann, erklärte: «Das ist eine schlimme Nachricht! Ich bin bestürzt über so viel Unverfrorenheit (...). Neben dem materiellen Verlust schmerzt insbesondere der ideelle Verlust. Was Zeitgenossen mit Luthers Schriften anfangen konnten, was sie sich, vermutlich spontan, dazu notiert haben, das ist jetzt für die Öffentlichkeit und die Forschung verloren.»

Es handele sich zwar um Drucke mit Texten Luthers, sagte Birkenmeier. Dennoch seien die Flugschriften auch Unikate, da sie handschriftliche Eintragungen von Zeitgenossen enthielten. Die 1956 gegründete Gedenkstätte besitze nur relativ wenige Flugschriften Luthers im Vergleich zu Einrichtungen in Wittenberg oder Gotha, wo seit dem 19. Jahrhundert Flugschriften gesammelt werden.

Junkermann sagte, der Diebstahl zeige auf leider sehr schmerzliche Weise, dass die Renovierung und Erweiterung des Lutherhauses inklusive besserer Sicherungsmaßnahmen überfällig seien. Sie sei froh, dass am 12. August der Grundstein für die Erweiterung gelegt werde. Im November sollen die Sammlungen in ein Übergangsquartier umziehen, voraussichtlich in die Eisenacher Predigerkirche. Die Wiedereröffnung des Lutherhauses mit neuer Ausstattung und Ausstellung ist für Mitte 2015 geplant. Das Museum soll dann fit sein für das 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017.

Junkermann forderte den oder die Täter auf, das Diebesgut zurückzugeben. «Das geht auch anonym gegenüber einem Seelsorger oder einer Seelsorgerin.» Die Drucke wurden nach Angaben der Polizei am Freitag zwischen 10.00 und 14.00 Uhr gestohlen. Zu dieser Zeit haben sich laut Polizei auch zwei Jugendgruppen, vermutlich aus Schweinfurt kommend, im Lutherhaus aufgehalten. Die Polizei bat deren Betreuer, sich bei ihr zu melden.

Das repräsentative Fachwerkhaus nahe dem Markt hatte am Wochenende wieder ganz normal für Besucher geöffnet. An der leeren Vitrine deutete für Nichteingeweihte nichts auf den Diebstahl hin. Die Kostbarkeiten lagen nach Angaben Birkenmeiers in einer älteren Vitrine aus dem Jahr 1996. Die Täter drückten an deren Rahmenkonstruktion eine Scheibe zur Seite. Birkenmeier schloss nicht aus, dass sich vorher jemand gezielt über Schwachstellen der Vitrine informiert und im Auftrag gehandelt hat. Vielleicht sei der Diebstahl aber auch nur eine Mutprobe gewesen, und alles werde sich schnell aufklären.

Ein Verkauf der Flugschriften sei jedenfalls sehr schwer. «Kein seriöser Händler wird sich darauf einlassen», sagte er. Unterhalb der Vitrine befindet sich eine Arbeitsplatte, an der sich Museumsbesucher mit dem Katechismus Martin Luthers beschäftigen können.

Als erste Konsequenz aus dem Verlust kündigte Birkenmeier ein Bündel an möglichen Sicherheitsmaßnahmen an: egere Kontrollen, zusätzliche Sicherungen für die Vitrinen, möglicherweise den Ersatz von Originalen durch Faksimile. «Ziel ist, mögliche Nachahmungstäter abzuschrecken.» Wie bei allen kleineren Museen sei Sicherheit immer auch eine Frage von Geld. Eine Überwachungskamera fehle bislang.

Der Reformator Martin Luther (1483-1546) war einige Jahre Schüler der Pfarrschule zu St. Georgen in Eisenach und soll damals in dem Fachwerkgebäude, das heute Museum ist, gelebt haben. Später übersetzte er als Junker Jörg auf der nahen Wartburg die Bibel ins Deutsche.

Lutherhaus

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