16. Mai 2012

Filmfest Cannes startet mit Willis und Kruger

Cannes (dpa) - Bruce Willis gab das Familienoberhaupt, das sich im Hintergrund hält und beobachtet. Bill Murray wirkte wie der schräge Onkel im wild-karierten Hemd und noch wilder karierten Sakko, und Edward Norton erinnerte an den euphorisierten Neffen, der aus dem Schwärmen gar nicht mehr herauskam.

Festival de Cannes - Moonrise Kingdom
Bruce Willis macht Bilder in Cannes. Foto: Stéphane Reix
dpa
> zur Bildergalerie
Festival de Cannes - Moonrise Kingdom
Bill Murray und Wes Anderson stellen ihren Film «Moonrise Kingdom» in Cannes. Foto: Stéphane Reix
dpa
> zur Bildergalerie
Festival de Cannes - Moonrise Kingdom
Ankunft von Tilda Swinton. Foto: Guillaume Horcajuelo
dpa
> zur Bildergalerie
Festival de Cannes - Moonrise Kingdom
Bruce Willis und Bill Murray Arm in Arm in Cannes. Foto: Stéphane Reix
dpa
> zur Bildergalerie
Festival de Cannes - Moonrise Kingdom
Bruce Willis und Edward Norton stellen ihren Film «Moonrise Kingdom» vor. Foto: Guillaume Horcajuelo
dpa
> zur Bildergalerie

«Es war wie ein Sommerferien-Lager», erzählte der Schauspieler über die Dreharbeiten zu dem Film «Moonrise Kingdom». Die sind zwar längst vorbei und der Film fertig, doch die Stars stellten die Tragikomödie von Regisseur Wes Anderson nun am Mittwoch in Cannes vor. Das Werk eröffnete dort am Abend die 65. Internationalen Filmfestspiele.

Zur Gala liefen nicht nur die Stars dieses Films über den roten Teppich. Jane Fonda kam in einer glitzernden Robe und kuschelte mit Alec Baldwin. Eva Longoria posierte in einem mit Spitzen verzierten Kleid, dessen lange Schleppe ihr beim Aufstieg in den Festivalpalais einige Mühe machte.

Im Mittelpunkt des Abends stand jedoch der erste Film des diesjährigen Wettbewerbs, «Moonrise Kingdom». Die Schauspieler verglichen die Arbeit an dem Werk immer wieder mit einem Familientreffen. «Wes Anderson hat über die Jahre eindeutig so etwas wie eine Familie geschaffen», fand zum Beispiel Tilda Swinton. «Ich war sehr froh, dass ich da mitmachen konnte - es war wie ein Campingtrip.» Einer der beiden Jungdarsteller, Jared Gilman, erzählte gar, wie ihm Murray fast väterlich das Krawatte-Binden beibrachte. «Er hat sich vor mir hingekniet und sie mir gebunden.»

Auch Willis berichtete auf der Pressekonferenz ein bisschen von seinen Erfahrungen beim Dreh: Er habe die Arbeit mit Anderson sehr «erfrischend» gefunden, sagte er, habe der doch klare Anweisungen gegeben - anders als manch anderer Regisseur. Dann fasste der 57-Jährige den Film noch schnell zusammen: «Es geht um Liebe, um alte und um junge. Es ist also die alte Geschichte: Jeder will geliebt werden, selbst die Polizisten!»

Nicht nur bei den Dreharbeiten, auch in «Moonrise Kingdom» dreht sich alles Familie und Zusammenhalt, weswegen sich das Werk als der perfekte Eröffnungsfilm für das Festival entpuppte: Für die Premiere waren nicht nur die Stars nach Südfrankreich gereist, Anderson legte auch erneut einen kunstvollen, unterhaltsamen und zugleich tiefgründigen Film vor. In wunderbar komponierten und detailreichen Bildern erzählt er in «Moonrise Kingdom» von dem zwölfjährigen Pfadfinder Sam, der auf einer Insel vor der Küste Neuenglands mit seiner Freundin Suzy durchbrennt. Das ruft nicht nur Suzys Eltern (Murray und Frances McDormand) auf den Plan, sondern auch den Insel-Sheriff (Willis) und den Pfadfinderlager-Leiter (Norton).

Anderson («Die Royal Tennenbaums») verbindet dabei schräg-komische Einfälle mit einer liebevollen Charakterzeichnung. Die beiden Protagonisten sind eher Sonderlinge, Außenseiter, die in ihren eigenen Fantasiewelten leben und auch deswegen wie füreinander gemacht scheinen. Zusammen bilden sie eine starke Einheit, nicht nur gegen die besorgten Erwachsenen. «Moonrise Kingdom» wird so zu einem Plädoyer für Zusammenhalt, Freundschaft und kindliche Verspieltheit - und damit hoffentlich zum guten Omen für die kommenden Festivaltage.

Welchen Film die Jury dann am Pfingstsonntag mit der Goldenen Palme auszeichnen wird, wird sicher noch für einige Spekulationen sorgen. Auf was sie bei den 22 Werken im Wettbewerb achten wollen, verriet kaum eines der neun Jurymitglieder, auch nicht der Präsident Nanni Moretti. Die meisten - darunter «Star Wars»-Star Ewan McGregor - betonten unisono, offen und unvoreingenommen an die Filme herangehen zu wollen.

Die Deutsche Diane Kruger zum Beispiel, die in Cannes einst erste große Erfolge mit dem Historienepos «Troja» feierte, freute sich darauf, tagelang nur Filme gucken zu können und unter Filmliebhabern zu sein. Nur Designer Jean-Paul Gaultier gab ein bisschen mehr preis: «Ein Film muss mich berühren und bewegen, das ist wichtig. Ich hoffe, dass ich viele Emotionen und Überraschungen erlebe!»

Filmfestival

Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige