17. April 2012

Günter Grass nur zur Untersuchung in der Klinik

Hamburg (dpa) - Zwei Wochen nach Veröffentlichung seines umstrittenen israelkritischen Gedichts lässt sich Literaturnobelpreisträger Günter Grass in einem Hamburger Krankenhaus behandeln. Der 84-Jährige ist nach Angaben des Klinikums wohlauf.

Günter Grass
Günter Grass geht es gut. Foto: Uwe Zucchi
dpa

«Er muss nicht im Bett liegen, arbeitet und genießt die Alsteraussicht von seinem Zimmer», teilte der behandelnde Arzt in der Asklepios-Klinik, Karl-Heinz Kuck, am Dienstag mit. Mit der Aufregung um sein umstrittenes Gedicht «Was gesagt werden muss» habe der Krankenhausaufenthalt nichts zu tun, betonte das Lübecker Büro des Autors laut «Hamburger Abendblatt».

Auch der behandelnde Arzt in der Klinik im Hamburger Stadtteil St. Georg berichtete: «Herr Grass ist lange geplant zu einer Untersuchung und ggf. Behandlung im Haus.» Er rechnet damit, dass Grass spätestens Ende dieser Woche entlassen werden kann. Der Schriftsteller war am Montagabend von seiner Frau ins Krankenhaus gefahren worden. Mitarbeiter von Grass hatten bei Presseanfragen immer wieder auf seinen labilen Gesundheitszustand hingewiesen.

Grass hatte mit seinem vor zwei Wochen veröffentlichten Gedicht international Empörung ausgelöst. In dem Gedicht «Was gesagt werden muss» schrieb der Schriftsteller, dass die Atommacht Israel den Weltfrieden bedrohe und das iranische Volk mit einem Erstschlag auslöschen könne. Israel verhängte daraufhin ein Einreiseverbot gegen den 84-Jährigen.

Der Autor der «Blechtrommel» heizte dann die Debatte über seine Israel-Kritik mit einer neuen verbalen Spitze weiter an: Er bezeichnete das Einreiseverbot als «Zwangsmaßnahme», die an DDR-Methoden erinnere. Das Einreiseverbot werde aber seine Erinnerungen an frühere Aufenthalte in Israel nicht auslöschen können, meinte Grass. «Immer noch sehe ich mich dem Land Israel unkündbar verbunden.»

Ein Mitglied des deutschen PEN-Zentrums forderte unterdessen, Grass die Ehrenpräsidentschaft zu entziehen. Über den Antrag werde bei der Jahrestagung im Mai im thüringischen Rudolstadt diskutiert, sagte Generalsekretär Herbert Wiesner der Nachrichtenagentur dpa. «Ich denke aber nicht, dass es dazu kommt. Das PEN-Zentrum ist dazu da, die Freiheit des Wortes zu verteidigen.» Auch PEN-Präsident Johano Strasser hatte in der hitzigen Debatte über das Gedicht den Nobelpreisträger verteidigt.

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