23. April 2012

Hudson-Prozess: Angeklagter bestreitet Dreifachmord

Chicago/New York (dpa) - Am ersten Tag des Mordprozesses um die Familie von Oscar-Gewinnerin Jennifer Hudson hat der angeklagte Ex-Schwager die Tat bestritten.

Jennifer Hudson
Jennifer Hudson hat ihre Mutter, ihren Bruder und ihren Neffen verloren. Foto: Christophe Karaba/Archiv
dpa

Er habe nichts mit der grausamen Bluttat zu tun und sei selbst ein Opfer, ließ William Balfour zum Prozessauftakt am Montag in Chicago per Anwalt mitteilen. Dem 30-Jährigen wird vorgeworfen, aus Eifersucht die Mutter, den Bruder und selbst den sieben Jahre alten Neffen der Sängerin und Schauspielerin erschossen zu haben. Hudson erschien am Montag schluchzend im Gerichtssaal.

Balfour hatte der Anklage zufolge immer wieder seine damalige Frau bedroht, zitierte die «Chicago Tribune» aus der Anklageschrift. «Wenn Du mich verlässt, töte ich dich», soll Balfour gesagt haben. Der Verteidiger bezeichnete seinen Mandanten hingegen als Opfer des Ermittlungsdrucks nach der Bluttat im Oktober 2008: «Sie brauchten einen Schuldigen und sie brauchten ihn schnell.»

Hudsons 57 Jahre alte Mutter Darnell war als erste in ihrem Haus erschossen worden. Unmittelbar danach schoss der Täter ihrem Sohn, Hudsons Bruder Jason, 29, mit einer schweren Pistole vom Kaliber 45 zweimal in den Kopf. Der kleine Julian, ein Kind aus einer anderen Beziehung der Schwester, war zunächst entführt worden. Die Leiche des Siebenjährigen wurde drei Tage später mit einem Kopfschuss in einem abgestellten Auto entdeckt. Julia selbst war an dem Tag nicht zu Hause und entging dem Mörder ebenso wie Jennifer Hudson selbst.

Jennifer Hudson schilderte im Gericht, wie nahe sie ihrer Familie gestanden habe. Sie habe ihrer Mutter jeden Vormittag eine SMS geschickt, ihren kleinen Neffen habe sie geliebt und zärtlich «Tugga Bear» genannt, sagte sie schluchzend. Die Familie sei unglücklich mit der Ehe ihrer Schwester gewesen, die sie zwei Monate lang geheim gehalten habe. Balfour habe sie schlecht behandelt und oft bedroht.

Der Angeklagte lebte seit längerem von seiner Frau getrennt. Als Motiv der Bluttat wurde Eifersucht auf einen neuen Freund genannt. Balfour hat die Vorwürfe bestritten. Zeugen gibt es nicht, auch Fingerabdrücke oder DNA-Spuren nicht. Es wird ein reiner Indizienprozess werden.

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