02. März 2013

Investor will Berliner Mauerrest weiter abreißen

Berlin (dpa) - Trotz aller Proteste soll der Teilabriss der Berliner Mauer-Galerie zu Wochenbeginn weitergehen.

East Side Gallery
Unter dem Motto «Don't touch» demonstrieren Models in Kreationen des Modeschöpfers Daniel Rodan gegen den Teilabriss der East Side Gallery. Foto: Jörg Carstensen/dpa
dpa

«Am Montag werden die Arbeiten fortgeführt», sagte der Bauherr des geplanten Hochhausprojektes auf dem Areal an der Spree, Maik Uwe Hinkel, der Berliner Tageszeitung «B.Z.». Er befürchte nicht, dass sein Bauprojekt noch scheitert. «Denn wir besitzen die Genehmigung und denken, dass das Gebäude Berlin guttut.»

Demonstranten hatten den Teilabriss am Freitag vorläufig gestoppt. Mitglieder der Bürgerinitiative standen schon am frühen Samstagmorgen wieder an der East Side Gallery, um möglicherweise anrückende Bauarbeiter abzuwehren. Der Abriss ging aber bislang nicht weiter, wie ein Initiativen-Sprecher der dpa berichtete.

Hinkel wehrte sich am Samstag in einer Presseerklärung gegen die Kritik an ihm und seinem Unternehmen. Living Bauhaus habe sich vertraglich verpflichtet, die Versetzung der Mauerstücke zu organisieren. Er betonte, dass alle notwendigen Planungen und Genehmigungen vorlägen, teilweise schon seit Jahren: «Die aktuellen Arbeiten können deshalb auch für keinen Verantwortlichen in der Senats- oder Bezirksverwaltung überraschend kommen.»

Kulturstaatssekretär André Schmitz hatte am Freitag erklärt, er sei von dem Teilabriss ebenso überrascht worden wie viele andere auch. Bezirk und Senat schieben sich gegenseitig die Verantwortung für das Vorhaben zu.

Nach Darstellung Hinkels sind aber gar nicht seine Baupläne für ein Luxus-Wohnhaus an der Spree der Grund für den Abriss. Auch der Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), hatte schon Ende Februar der Nachrichtenagentur dpa gesagt, dass dieses Projekt nicht der Hauptgrund sei. Vielmehr müsse eine Art Fluchtweg aus dem angrenzenden Park heraus geschaffen werden.

Die neue Lücke in der Berliner East Side Gallery war auch Thema in der internationalen Presse. Medien wie die britische Tageszeitung «The Guardian», der Fernsehsender «BBC» oder die «Los Angeles Times» informierten Leser und Zuschauer auf ihren Webseiten und auch via Twitter über den Streit an der Spree.

Die Bürgerinitiative «East Side Gallery retten» will an diesem Sonntag (14.00) für den Erhalt des längsten noch erhaltenen Abschnitts der Berliner Mauer demonstrieren. Der künstlerisch bemalte Betonwall wird in nahezu jedem Berlin-Reiseführer als historische Sehenswürdigkeit gewürdigt.

Bericht «The Guardian»

Bericht «BBC»

Bilder der Woche der «Los Angeles Times»

Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige