15. Februar 2013

Lanzmann mit Ehrenpreis der Berlinale ausgezeichnet

Berlin (dpa) - Die Berlinale geht in den Endspurt. Zum Abschluss des Wettbewerbs um die begehrten Bären wurde am Freitag Catherine Deneuve bei dem Festival erwartet.

Claude Lanzmann
Claude Lanzmann erhielt eine Ehrenbären der Berlinale. Foto: Sven Hoppe
dpa

Die französische Diva und leidenschaftliche Raucherin nimmt sich in der Komödie «Elle s'en va» (On my Way) von Emmanuelle Bercot selbst auf die Schippe. Aus Südkorea bewirbt sich der Film «Nobody's Daughter Haewon» von Hong Sangsoo um eine Auszeichnung. Die Bären-Trophäen werden am Samstag verliehen.

Außer Konkurrenz wollte Hollywoodstar Nicolas Cage das Steinzeit-Abenteuer «The Croods» vorstellen. In dem 3D-Animationsfilm leihen Cage, Emma Stone und Ryan Reynolds den Figuren ihre Stimmen.

Bereits am Donnerstag wurde der französisch-jüdische Filmemacher Claude Lanzmann mit dem Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk ausgezeichnet. «Das ist ein großer Abend für Sie und für uns alle», sagte Festivalchef Dieter Kosslick vor deutlich gelichteten Reihen.

Der heute 87-jährige Lanzmann hat vor allem mit seinem Dokumentarfilm «Shoah» (1985) über den NS-Völkermord an den Juden Filmgeschichte geschrieben. Laudator Ulrich Gregor nannte den Film einen Meilenstein der Erinnerungskultur. «Er war wie eine Antwort auf all die Fragen, die uns ständig verfolgt haben.»

Lanzmann sagte, während der zwölfjährigen Arbeit an der Dokumentation habe er immer an einem Gedanken festgehalten: «Ich wusste, dass "Shoah" nach dem langen Schweigen eine Befreiung für die Deutschen sein würde, um immer offener über ihren eigenen Schmerz zu sprechen.»

Das Internationale Auschwitz Komitee begrüßte die Auszeichnung des Filmemachers. «In seinen Filmen erzählt er unsere Geschichte und die Geschichten unserer Familien, die an den Orten der Asche geblieben sind», erklärte der Auschwitz-Überlebende Marian Turski.

Für anrührende Momente sorgte bei dem Festival Regisseur George Sluizer. Inzwischen selbst im Rollstuhl, stellte der 80-Jährige 20 Jahre nach dem Tod von River Phoenix den letzten Film des Schauspielers vor. Phoenix war während der Dreharbeiten mit 23 Jahren an einer Überdosis Heroin und Kokain gestorben.

Im Vorspann zu «Dark Blood» sagt Sluizer, habe er den Film fertigstellen wollen, nachdem er selbst krank geworden sei. «Er war wie ein Stuhl mit zwei Beinen. Jetzt hat er zumindest drei und kann stehen, auch wenn das vierte fehlt.» Phoenix spielt in dem Film einen einsam in der Wüste lebenden Psychopathen, der ein wohlsituiertes Ehepaar als Gefangene nimmt. Die fehlenden Szenen liest der Regisseur aus dem Drehbuch vor.

Die Berlinale geht nach den Preisverleihungen am Sonntag mit einem Publikumstag zu Ende.

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