25. Mai 2012

Liebe in Moll: «Liliom» in Berlin gefeiert

Berlin (dpa) - Wer Schauspielkunst voller Geist und Gefühl und fern allen Klamauks und Kitsches mag, wird von dieser «Liliom»-Aufführung am Berliner Ensemble hingerissen sein. Regisseurin Mona Kraushaar erzählt Ferenc Molnárs Liebesgeschichte in Moll voll Tragik und Komik.

Liliom
Johannes Krisch in «Liliom» auf der Bühne des Berliner Ensembles in Berlin. Foto: Claudia Esch-Kenkel
dpa

Das Premierenpublikum feierte die Regisseurin und ihre Schauspieler bei der Premiere am Donnerstagabend mit begeistertem Beifall und Bravo-Rufen.

Die mal realistisch, mal märchenhaft anmutende Ballade vom brutalen Rummelplatz-Macho Liliom und seiner naiv-zärtlichen Liebe Julie fesselt mit vielen Zwischentönen, feinen Charakterstudien und einem Verzicht auf den Firlefanz des gängigen Krawall-Theaters.

In der mit Wahrhaftigkeit des Tons und konzentrierter Spannung beeindruckenden Inszenierung sind die Schauspieler das A und O. Das exquisite Ensemble aller Darsteller verleiht dem auch mit surrealistischen Mitteln verblüffenden Stück auf der fast leeren, eine Kirmes-Atmosphäre nur andeutenden Bühne Größe. Dadurch wird die Geschichte von den sozialen und den daraus resultierenden psychischen Nöten sogenannter kleiner Leute zu einer Parabel auf eine Gesellschaft, in der nichts so selten ist wie schlichte Menschlichkeit.

Stars des Abends sind die schon in mehreren Aufführungen des Berliner Ensembles erfolgreich aufgetretene Larissa Fuchs als Julie und der erstmals an der Bühne spielende Österreicher Johannes Krisch in der Titelrolle. Krisch, Mitglied im Ensemble des Wiener Burgtheaters, fasziniert mit der differenzierten Zeichnung eines ungehobelten Kerls, der sich selbst permanent im Weg steht und deshalb im gesellschaftlichen Abseits landen muss. Damit gelingt dem Akteur ein mit Wucht und Sensibilität überzeugendes Berlin-Debüt.

Fuchs stellt sich mit ihrer Interpretation der Julie in die erste Reihe der großen Berliner Theaterschauspielerinnen. Sie begeistert mit einer überraschenden Spannbreite an Ausdrucksmitteln. Ihre verzweifelt Liebende wirkt mal eckig und kantig, dann wieder sanftmütig und engelsgleich, in einem Moment geradezu autistisch, dann lautstark und expressiv. Der Schauspielerin gelingt es tatsächlich, die Zuschauer tief in eine von vielen Verwundungen gezeichnete Seele blicken zu lassen. Das greift einem ans Herz.

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