22. Juli 2013

Loriots «Lottogewinner» Heinz Meier gestorben

Freiburg (dpa) - Heinz Meier hieß Erwin Lottemann, nee, Lindemann. Er fuhr in 66 Jahren nach Island. Und seine Tochter wollte mit dem Papst eine Herrenboutique in Wuppertal eröffnen. Mit seiner Rolle als überforderter Lottogewinner vor der Fernsehkamera ist Heinz Meier Kult geworden.

Heinz Meier
Heinz Meier starb im Alter von 83 Jahren. Foto: Rolf Haid
dpa

Der in Ostpreußen geborene Schauspieler war festes Ensemblemitglied bei Loriot, die Sketche haben ihn bekanntgemacht. Nun ist Meier, der in Schliengen bei Freiburg lebte und in Freiburg Inhaber eines Theaters war, im Alter von 83 Jahren gestorben.

Lottogewinner, Kosakenzipfel, Kalbshaxe Florida, Herr Hoppenstedt und natürlich «ein Klavier, ein Klavier»: «Ich bin immer wieder beeindruckt, dass diese Geschichten bis heute im Gedächtnis so vieler Menschen sind», sagte Meier vor drei Jahren der Nachrichtenagentur dpa, als er 80 Jahre alt wurde. «Schade ist nur, dass all das, was ich sonst noch gemacht habe, gelegentlich in Vergessenheit gerät.»

Meier stand in den 1970er Jahren neben Vicco von Bülow (1923-2011) und Evelyn Hamann (1942-2007) für die populären Loriot-Filme vor der Fernsehkamera. Bereits zuvor hatte er mit Loriot Geschichten fürs Fernsehen gedreht. Seinen Entdecker Loriot bezeichnete er später als «Universal- und Jahrhundertgenie». Niemand habe ihn derart beeindruckt und inspiriert wie der im August vor zwei Jahren verstorbene Humorist. Er habe ihn für komische Rollen entdeckt.

«Loriot hat mich geschätzt, weil ich in seinen Augen der Prototyp des einfachen, kleinen Mannes war und diesen gut darstellen konnte», erinnerte sich Meier. Große Schauspielkunst habe er nicht abliefern dürfen. «Manchmal musste ich nur dasitzen und verständnislos schauen. Damit konnte ich Loriot begeistern.» Mit Spaß seien die Dreharbeiten nicht verbunden gewesen. «Zu Lachen gab es nichts. Wir mussten alle sehr ernsthaft, präzise, diszipliniert und ausdauernd arbeiten.»

Meier spielte - bis auf eine Ausnahme - in allen Loriot-Stücken mit, auch 1991 in Loriots Kinofilm «Pappa ante Portas». Zuletzt stand er 2009 für die Filmkomödie «Dinosaurier – Gegen uns seht ihr alt aus» von Leander Haußmann vor der Kamera. 1998 wirkte er in der Fernsehkomödie «Frau Rettich, die Czerni und ich» mit.

Sein Herz schenkte der stets bescheiden auftretende Meier dem Theater. Er stand als Kabarettist auf der Bühne. Er spielte Stücke von Camus über Beckett, Cocteau und Ionesco bis zu Sartre. Dies war seine Leidenschaft.

Der in Ostpreußen geborene Meier kam 1950 zum Studium nach Freiburg. Hier machte er seine ersten Gehversuche als Schauspieler.
Er nahm Schauspielunterricht, stand beim Studentenkabarett «Das Trojanische Pferdchen» auf der Bühne.

Mit Studienfreunden gründete er vor genau 60 Jahren in Freiburg das Wallgraben-Theater. Es ist eines der ältesten Privattheater Deutschlands. Und es ist bis heute im Familienbesitz. Gemeinsam mit seiner Nichte Regine Effinger und deren Ehemann Hans Poeschl war Meier bis zuletzt Inhaber. Er war verheiratet mit der Schriftstellerin Gisela Bonsels, einer Enkelin von Waldemar Bonsels, dem Erfinder der legendären «Biene Maja».

Loriot war auch in Meiers Theater präsent. Er blieb seinem früheren Schauspielpartner immer ein Förderer und Freund. «Loriot hat uns jahrelang exklusiv erlaubt, seine Stücke zu spielen. Das war natürlich sehr hilfreich für unser kleines Haus.»

Vor einem Monat, als das kleine Wallgraben-Theater Geburtstag feierte, stand Meier mit dem Stück «Ach was! Loriot!» auf der Bühne. Es war seine Abschiedsvorstellung.

Wallgraben-Theater

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