14. April 2012

Movimentos startet mit Hommage auf Maurice Béjart

Wolfsburg (dpa) - Die Musik ist 100 Jahre alt, die Choreographien ein halbes Jahrhundert - an Kraft und Faszination haben sie nichts eingebüßt: Mit einer Hommage auf den 2007 gestorbenen Choreographen Maurice Béjart hat am Freitagabend das internationale Programm der Movimentos-Festwochen in Wolfsburg begonnen.

Maurice Bejart
Der französische Choreograf Maurice Béjart schrieb Ballettgeschichte. Foto: Ronald Wittek
dpa

Nach Musik von Igor Strawinsky und Maurice Ravel zeigte das Béjart Ballett Lausanne welch Ausdruckskraft der Moderne Tanz entfalten kann. Das Publikum honorierte die Leistung der Tänzer mit langem Applaus und Jubeln.

Mit Le Sacre du Printemps und L'Oiseau de Feu - beide nach Strawinsky - und dem Boléro von Ravel präsentierte die weltberühmte Compagnie drei der wichtigsten Arbeiten ihres Gründers. Zur zehnten Auflage des Festivals wählten die Organisatoren nicht zufällig die selten an einem Abend aufgeführte Kombination der drei Stücke: Der Schweizer Starchoreograph Béjart wurde 2004 als erster für sein Lebenswerk mit dem Movimentos-Tanzpreis ausgezeichnet.

Damals galt ein Festival für Modernen Tanz in der Provinz noch als Wagnis. «Wir haben uns ganz langsam und sehr respektvoll an das Thema Tanz herangetastet», sagte Maria Schneider, Kreativdirektorin der Autostadt. Bewegung ohne sprachliche Probleme sollte die Internationalität des Autokonzerns Volkswagen ausdrücken.

Obwohl kein Auto und kein Emblem auf VW hinweist, ist allen klar, dass ohne die Mutter Volkswagen kein Festival dieses Kalibers auf die Beine gestellt werden könnte. Mittlerweile hat sich Movimentos einen festen Platz in der europäischen Tanzfestival-Landschaft erobert, jährlich kommen 30 000 Gäste. Damit liegt die Auslastung laut Autostadt bei nahezu 100 Prozent. Im historischen VW-Kraftwerk, das jeweils für einige Wochen Bühne der internationalen Tanzcompagnien wird, war auch am Freitag jeder der rund 1000 Plätze besetzt.

Die Uraufführung von Le Sacre du Printemps 1913 gilt als eine Schnittstelle vom klassischen zum Modernen Ballett. «Die Musik galt damals als zu hart, zu erdig, zu rhythmisch», so Tanzkenner Jürgen Wilcke, der das Publikum in die einzelnen Tanzstücke einführte. 1959 legte Béjart dann mit der Choreographie des Stückes den Grundstein seines Weltruhmes.

Bis heute hat sich an der Choreographie wenig geändert: Schon damals trugen die Tänzer Trikots in den zarten Pastellfarben des Frühlings, erzählte Wilcke. Thematisiert werden Liebe, Begehren, Lust oder Rivalität. Die rund 40 Tänzer bieten dem Auge beeindruckende Formationen, auch ohne große Bühnendekoration entstehen unvergessliche Bilder.

Auch Béjarts Choreographie des Boleros schrieb Ballettgeschichte. Kaum mehr wahrgenommen, verhalf seine Interpretation dem Ravel-Stück 1961 zu seiner bis heute großen Popularität. Julien Favreau ließ als Solist die Melodie des Boleros auf einem überdimensionalen roten Tisch lebendig werden - den Rhythmus verkörperten um den Tisch herum zahlreiche Tänzer. «Am Schluss holt der Rhythmus die Melodie ein und erschlägt sie quasi», erläuterte Wilcke.

Bis zum 20. Mai sind in Wolfsburg neben Internationalem Tanz auch Jazz- und Klassikkonzerte sowie szenische Lesungen mit Prominenten zu sehen. Ein Bonbon sind zwei Konzerte der Rocklegende Peter Gabriel. Die Künstler sollen sich mit ihren Mitteln mit dem Festival-Motto «Weisheit, Wissen, Information» auseinandersetzen.

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