22. Juli 2013

Nico Hofmann folgt in Worms auf Dieter Wedel

Worms (dpa) - Gerüchte gab es schon länger, jetzt ist es offiziell: Nico Hofmann wird neuer Intendant der Nibelungenfestspiele in Worms.

Nico Hofmann
Eine neue Aufgabe wartet auf Nico Hofmann in Worms. Foto: Jens Kalaene
dpa

Der preisgekrönte Filmproduzent, der zuletzt mit dem Fernseh-Mehrteiler «Unsere Mütter, unsere Väter» für Aufsehen gesorgt hatte, wird ab 2015 in die Fußstapfen von Dieter Wedel treten, der die Festspiele seit der ersten Premiere im Jahr 2002 betreut.

Dabei hat Hofmann eigentlich mehr als genug um die Ohren: Der Teamworx-Geschäftsführer produziert derzeit unter anderem eine Dokumentation über Franz Beckenbauer zu dessen 70. Geburtstag im Jahr 2015. Er arbeitet an einer Biografie über Hannelore Kohl und an der Verfilmung des preisgekrönten Romans «Landgericht» über die Nachkriegszeit in Deutschland. Außerdem plant er mehrere Serien, darunter eine TV-Produktion über Adolf Hitler.

Hofmann und Wedel kennen sich gut und haben viel gemeinsam. Ihre Fernsehproduktionen - oft Mehrteiler - locken regelmäßig Millionen Zuschauer vor die Bildschirme und räumen Preise ab. Beide arbeiten mit hochkarätigen Schauspielern zusammen, etwa Götz George, Ulrich Tukur, Sebastian Koch, Mario Adorf, Alexandra Maria Lara, Andrea Sawatzki und Corinna Harfouch. Beide sind emotionale Geschichtenerzähler; ihre Produktionen sind aufwendig und gut gemacht. Und beide sind für Kontroversen gut.

Außerdem stammen beide aus dem Südwesten Deutschlands. Wedel (geb. am 12. November 1942) ist gebürtiger Frankfurter und wuchs im hessischen Bad Nauheim im Wetteraukreis auf. Hofmann (geb. am 4. Dezember 1959) kam in Heidelberg zur Welt und verbrachte seine Kindheit und Jugend in Mannheim, nur rund 20 Kilometer von Worms entfernt.

In der Theaterbranche allerdings ist Wedel viel stärker verankert. Er kommt quasi von der Bühne, hat Theaterwissenschaften studiert und viel fürs Theater gearbeitet. Hofmanns Metier ist seit jeher der Film - er hat an der Hochschule für Fernsehen und Film München studiert und als Filmregisseur Erfolge gefeiert, bevor er Produzent wurde. Allerdings sagt er selbst von sich, er sei über die Bühnenerfahrung mit großartigen Schauspielern zum Film gekommen. «Es ist meine heimliche Liebe zum Theater, die immer noch in mir steckt und die mich jetzt nach Worms zieht», sagt der Produzent.

Auch die Arbeitsbereiche decken sich nicht ganz: Wedel ist vor allem Regisseur, Hofmann vor allem Produzent. Hofmanns Hauptinteresse gehört historischen Stoffen, insbesondere aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und der DDR. Seine Event-Zweiteiler wie «Der Tunnel» oder «Dresden» haben ein völlig neues Genre kreiert. Im Gegensatz dazu nimmt Wedel aktuelle Entwicklungen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zum Anlass für personalisierte Geschichten («Der große Bellheim», «Die Affäre Semmeling», «Gier»).

Den größten Unterschied zu Hofmann sieht Wedel allerdings ganz woanders. «Ich habe keine unternehmerischen Fähigkeiten. Ich bin trotz meines fortgeschrittenen Alters immer noch ein verspieltes Kind, das seine Träume hat und sie auch umsetzt», sagt er. Er wolle Hofmann überhaupt nicht absprechen, dass er das auch sei. «Aber er ist darüber hinaus ein kontrollierter, sehr erfahrener Taktiker.»

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