10. Mai 2012

Roger Moore über sauberes Wasser und Staus in London

Köln (dpa) - Roger Moore (84) hat einen neuen Film gedreht - einen Spot für Unicef. Darin ordert er einen Drink «geschüttelt, nicht gerührt» und bekommt ein Glas Schmutzwasser vorgesetzt.

Roger Moore
Roger Moore tritt ein für das Menschenrecht auf sauberes Wasser. Foto: Sebastian Kahnert
dpa

Mit dem Kurzfilm auf www.unicef.de wirbt das Kinderhilfswerk für das Menschenrecht auf sauberes Trinkwasser. Der Nachrichtenagentur dpa verrät Sir Roger, warum die Bond-Filme seiner Meinung nach hoffnungslos veraltet sind und warum er seinen ersten Fernsehauftritt selbst nicht sehen konnte.

Sir Roger, Ihr neuester Film hat endlich mal eine richtige Botschaft.

Roger Moore: «Ja, genau: Schmutziges Wasser ist eine Frage von Leben und Tod. 3000 Kinder sterben daran - jeden Tag. Sauberes Wasser ist ein Menschenrecht.»

Was kann man tun, um die Kinder zu retten?

Moore: «Die Lösung ist ganz einfach: Chlortabletten, Handpumpen und Händewaschen mit Seife. Mit der Kampagne "Wasser wirkt" will Unicef sauberes Trinkwasser und sanitäre Anlagen für 500 000 Kinder in einigen sehr abgelegenen und benachteiligten Regionen dieser Welt sicherstellen. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen. Jeder sollte das tun. Denn Unicef ist zwar ein Teil der Vereinten Nationen, wird aber nicht finanziert von den Vereinten Nationen. Es ist auf Spenden angewiesen.»

Wenn Sie Bilanz ziehen: Was war wichtiger - Ihre Filmkarriere oder Ihre Arbeit als Unicef-Botschafter?

Moore: «Ohne die Schauspielkarriere könnte ich diese Arbeit nicht machen. Nur die Bekanntheit - oder wie man es nennen will - gibt einem die Möglichkeit zu reden, und nur deshalb hören Presse, Fernsehen und so weiter auch zu. Unicef ist natürlich eine ganz andere Art von Arbeit. Eine ungleich wichtigere. Da geht es um Menschenleben.»

Verfolgen Sie die Politik intensiver, seit Sie sich bei Unicef engagieren?

Moore: «Ich versuche eher, sie nicht zu sehr zu verfolgen, weil mich das zu sehr deprimiert. Die Vereinten Nationen können wenig tun, bevor nicht alle zustimmen.»

Im richtigen Leben ist es nicht so einfach, die Welt zu retten.

Moore: «Die Dinge sind sehr kompliziert.»

Sie haben kürzlich gesagt, eigentlich sei «James Bond» heute hoffnungslos veraltet. Die ganze Schwarz-Weiß-Malerei und so.

Moore: «Das stimmt, wir leben in einer ganz anderen Welt als Ian Fleming, als er diese Bücher geschrieben hat. Damals war Kalter Krieg, dann fiel die Mauer, Russland wandte sich vom Kommunismus ab. Sie sind nicht länger die Bösen. Gut gegen Böse - so einfach ist es nicht mehr.»

Aber liebt das Publikum die Filme nicht gerade deshalb, weil da alles so schön einfach ist? Vermutlich wäre es nicht gerade erfolgversprechend, das Konzept zu ändern.

Moore: «Jaja, es war einmal... Bond ist wirklich ein Märchen, das an verschiedenen Schauplätzen spielt. Wenn man einem Kind abends vor dem Zubettgehen ein Märchen erzählt, darf man die Worte auch nie verändern. Aschenputtel oder so. Wenn man da was falsch sagt, dann kommt sofort: "Oh, nein, nein!" Genau das erwarten die Zuschauer auch von Bond. Sie erwarten Action, Autos. Sie mögen die Explosionen.»

Aber Sie mochten die Explosionen gar nicht, stimmt's?

Moore: «Oh, ich hasse sie!»

Sie sind gebürtiger Londoner. Freuen Sie sich auf die Olympischen Spiele?

Moore: «Ja, das ist toll. Ich werde sie mir im Fernsehen anschauen.»

Sie fahren nicht selbst hin?

Moore: «Um Himmels willen, etwas Schlimmeres kann ich mir nicht vorstellen. London muss man da weiträumig umfahren. Staus, Staus, Staus!»

Können Sie sich noch an die letzte Olympiade in London erinnern, 1948?

Moore: «1948... da war gerade mein Militärdienst zu Ende. Ich habe nicht viel mitbekommen. Es gab auch nur einen Fernsehkanal, und ich hatte 1948 noch kein Fernsehgerät. 1948 hatte ich meinen ersten Fernsehauftritt, und meine Eltern sind da zu engen Freunden gegangen, weil die einen Fernseher hatten.»

Das heißt: Sie waren schon im Fernsehen, bevor Sie selbst einen Fernseher hatten?

Moore: «Ja, genau. Das war wahrscheinlich ganz gut: Da musste ich mich wenigstens nicht selbst anschauen.»

Interview: Christoph Driessen, dpa

Unicef-Spot mit Roger Moore

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