23. Mai 2012

Russland und Irland im ESC-Finale

Baku (dpa) - Das Finale des Eurovision Song Contest wird schräg, bunt und voller Retro-Pop: Im ersten Halbfinale qualifizierten sich am Dienstagabend unter anderem die russischen Omas der Gruppe Buranowskije Babuschki und die hyperaktiven irischen Jedward-Zwillinge mit ihren Partysongs für den Wettbewerb am Samstag.

Eurovision Song Contest - 1st semi-final
Die Omas von Buranovskiye Babushki haben es ins Finale geschafft. Foto: Jörg Carstensen
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Eurovision Song Contest - 1st semi-final
Jedward haben sich fürs Finale qualifiziert. Foto: Jörg Carstensen
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Eurovision Song Contest - 1st semi-final
Ungarn geht mit Compact Disco an den Start. Foto: Jörg Carstensen
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Eurovision Song Contest - 1st semi-final
Herzschmerz von Mandinga aus Rumänien. Foto: Jörg Carstensen
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Eurovision Song Contest - 1st semi-final
Rambo Amadeus aus Montenegro hat es nicht ins Finale geschafft. Foto: Jörg Carstensen
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Auch die Dänin Soluna Samay, die mit ihrem Stuttgarter Vater schon als Straßenmusikerin durch deutsche Fußgängerzonen tingelte, ist dabei. Doch trotz des Halbfinalerfolges sagte die 21-Jährige, dass ihr die Wandermusiktradition wichtig sei, beim Grand Prix gehe es um eine Spaßerfahrung.

Der deutsche Grand-Prix-Veteran Ralph Siegel scheiterte mit seiner Komposition für den Kleinstaat San Marino («The Social Network Song»). Auch die österreichische Spaß-Rap-Gruppe Trackshittaz und die Schweizer Pop-Rocker Sinplus kamen im ersten Halbfinale am Dienstag nicht unter die besten zehn der 18 Teilnehmer.

Erfolgreicher waren da (zusätzlich zu Irland, Russland und Dänemarkt) Albanien, Griechenland, Island, Moldau, Rumänien, Ungarn und Zypern. Die Halbfinalisten präsentierten eine bunte Mischung aus Pop-Rock, mythischen Klängen, Folklore-Pop und Tanzeinlagen - oft mit einem Schuss Retro-Chic aus den 70er Jahren versehen.

Die zehn gewählten Finalisten am Samstag im großen ESC-Finale zusammen mit dem deutschen Teilnehmer Roman Lob (21, «Standing Still») um die europäische Musikkrone wetteifern. Denn Deutschland ist, ebenso wie die anderen großen Eurovision-Länder Frankreich, Italien, Großbritannien und Spanien sowie Gastgeber Aserbaidschan, für das Finale gesetzt. Die restlichen zehn Teilnehmer für das 26er-Finalfeld werden im zweiten Halbfinale aus 18 Kandidaten an diesem Donnerstag ermittelt.

Die von der Kölner Firma Brainpool organisierte erste große ESC-Show in Baku verlief unter beispiellosen Sicherheitsvorkehrungen in der von Deutschen gebauten Crystal Hall. In dem islamisch geprägten Nachbarland des Iran hatten Extremisten, denen die westliche ESC-Partystimmung ein Dorn im Auge ist, zuvor Drohschriften verteilt. Der Iran zog am Montag seinen Botschafter ab. Als Gründe wurden die Westorientierung Aserbaidschans und die Verletzung religiöser Gefühle genannt.

Die Show, die die öl- und gasreiche Südkaukasusrepublik auch zur Eigenwerbung nutzte, verlief glanzvoll in der überdachten Arena, die am Kaspischen Meer dank Leuchtdioden wie ein Juwel glänzt. Zu jedem Teilnehmerland erstrahlte die Halle in den jeweiligen Landesfarben.

Den Einzug ins Finale schafften unter anderem die stimmgewaltige Rona Nishliu mit ihrer Gänsehaut-Ballade «Suus» für Albanien sowie die sechs skurrilen Omis zwischen 43 bis 76 Jahren aus dem russischen Dorf Buranowo. «Ich hatte Angst zu singen. Da war so viel Lärm in der Halle, dass man sich selbst nicht hören konnte», sagte die 73-jährige Galina Konewa vor Journalisten. Die Buranowskije Babuschki aus der Wolga-Region Udmurtien mit ihren roten Trachten, Kopftüchern und Bastschuhen sind mit der Ethno-Pop-Nummer «Party for Everybody» längst Kult in Baku.

Zum zweiten Mal hintereinander schafften die Jedward-Zwillinge aus Irland den Sprung in die Samstagshow. Ihren Gute-Laune-Hit «Waterline» präsentierten sie um einen Springbrunnen in glitzerndem Science-Fiction-Look nicht mit der kultigen Föntolle, sondern mit platten Haaren. Beim ESC in Düsseldorf voriges Jahr landeten sie auf Rang acht. Als Vorjahressieger präsentierte Eldar Gassimow von dem Duo Ell & Nikki («Running Scared»)- flankiert von zwei Moderatorinnen - die Fernsehshow und begrüßte die Gäste auch auf Deutsch mit einem Dank nach Düsseldorf.

Experten geben die Gesamtkosten für den ESC mit 629,8 Millionen Euro an, davon etwa ein Drittel allein für die Arena. Das sei der höchste Betrag, der je für einen Grand Prix ausgegeben wurde, hieß es. Kritiker meinen, dafür sei an anderer Stelle, etwa bei Renten, unbotmäßig gespart worden. Die Führung des Landes spricht hingegen von ESC-Kosten von rund 50 Millionen Euro. Die Arena und andere Infrastrukturobjekte dürften nicht mitgerechnet werden, da sie über den ESC hinaus genutzt würden, betonte ein Regierungsvertreter.

Ursprünglich waren beim ESC 42 Länder angetreten. Ausscheiden mussten am Dienstagabend außerdem Montenegro, Finnland, Israel, Belgien und Lettland.

Eurovision in Baku

ESC-Seite, international

Informationen des Auswärtigen Amtes über Aserbaidschan

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