02. Oktober 2012

Trauer um Dirk Bach - Komiker starb mit 51 Jahren

Köln (dpa) - Dirk Bach ist tot, und die Trauer ist groß. Sehr groß. Denn zum einen war er ein Menschenfreund, ungewöhnlich in einer Branche der Riesen-Egos und Alpha-Tiere. Und zum anderen war er so vielseitig, wie man es in der Medienbranche selten erlebt.

Dirk Bach
Dirk Bach starb im Alter von 51 Jahren. Foto: Jörg Carstensen
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Dirk Bach im Schweinskostüm bei den Dreharbeiten zu der ZDF-Fernsehserie «Der kleine Mönch» 2003. Foto: dpa
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Dirk Bach.2002 als "Zeremonienmeister" bei der Gala "Lachen tut gut - Comedy für Unicef". Foto: Jens Kalaene dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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"Lukas" alias Dirk Bach (hinten r) und seine "Familie" bei einem Fototermin zur ZDF-Sitcom "Lukas". Foto: Roland Scheidemann
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Dirk Bach (l) und Sonja Zietlow beim Deutschen Fernsehpreis 2011. Foto: Henning Kaiser
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«Dirk Bach ist gleich zurück...» stand am Dienstag noch auf seiner Website, und darunter eine Liste mit den Aufführungsterminen des Stücks «Der kleine König Dezember». Dirk Bach sollte darin die Hauptrolle spielen, die Premiere war für Samstag geplant. Nun wird die Bühne leer bleiben. Dirk Bach kommt nicht mehr zurück.

Die meisten Zuschauer kannten ihn als Moderator des Dschungelcamps. Da stand er seit 2004 klein und kugelig neben der großen blonden Sonja Zietlow und machte seine Witzchen über die Kandidaten, die sich mit Maden und Mauseschwänzen abmühten. Man sollte meinen, dass ihn die C-Promis dafür hassten. Doch das Gegenteil war der Fall. Den Dirk mochten sie alle. In einer Branche der Alpha-Tiere und Riesen-Egos war er der Mann mit Herz. «Für uns ging in Australien die Sonne immer schon um 2 Uhr auf», erinnerte sich Sonja Zietlow am Dienstag. «Wenn du ins Camp kamst und dein fröhliches "Guten Morgen" wie einen Befehl in den Urwald geschmettert hast.»

Dirk Bach musste man gern haben. Er sah aus wie ein Teddybär, wirkte wie ein großes Kind, weckte Beschützerinstinkte. Deshalb hatte auch niemand irgendwelche Scheu, auf ihn zuzugehen. Viele sagten einfach «Hallo Dicki», wenn sie ihn trafen. «Dicki» war sein Spitzname. Dabei war er als kleiner Junge so dünn, dass er Aufbaupräparate bekam.

Bach, 1961 in Köln geboren, blieb in der Schule dreimal sitzen und flog schließlich vom Gymnasium. Er wusste aber schon, was er werden wollte: Schauspieler. Und das ging bei ihm auch ohne Schauspielschule. Mit Anfang 20 hatte er bereits den Durchbruch: am Theater mit einer legendären «Geierwally»-Inszenierung von Walter Bockmayer und im Kino als Showmaster Willi Wunder in «Im Himmel ist die Hölle los».

Danach war Dirk Bach der kleine Dicke. Dieses Klischee bediente er selbst, indem er ständig Witze über seinen Körperumfang machte, so wie übrigens auch über sein Schwulsein. All das gehörte mit zu der Rolle, die er in der Öffentlichkeit spielte. Wer ihn aber mal unter Ausschluss des Publikums erlebte, stellte fest, dass der private Bach anders war: ein Menschenfreund durchaus, aber kein gar so drolliger. Eher leise, eher nachdenklich. Sehr belesen, dabei entschieden unaufdringlich.

Dass sich so einer ausgerechnet als «Dschungelcamp»-Moderator an RTL verkaufte, stieß in der Theaterwelt auf Unverständnis. «Schock! Was tust du?», simste ihm der Samson aus der Sesamstraße - wo Bach ebenfalls eine feste Rolle hatte. Aber er wollte es so. Er hat immer alles gemacht: Schiller, Shakespeare, Kafka und dann Urmel aus dem Eis. Köstlich, wie er für das Hörbuch alle Rollen mit verstellten Stimmen sprach, Ping Pinguin mit der «Mupfel», Schweinemama Wutz («Öfföff») und Seele-Fant, der immer traurige Lieder singt. Aber er konnte auch anders: Auf einer Kölner Bühne gab er vor vier Jahren den Gestapo-Chef.

Seit 1995 lebte Dirk Bach (1,68 Meter) in einer festen Beziehung mit seinem Partner Thomas (1,85 Meter). «Ich verdiene das Geld, und mein Mann macht den Haushalt», sagte er dazu einmal in einem Interview. «Er wäscht und kauft beispielsweise ein, weil ich seltener zu Hause bin.» Er war wirklich des öfteren nicht Zuhause. Denn wenn er mit seinem Kugelbauch auch den klassischen Genießer verkörperte, er war ein Arbeitstier. Von der «Bild»-Zeitung nach seiner Traumrolle befragt, antwortete er noch vor kurzem: «Das können Sie mich in 30 Jahren noch mal fragen. Zurzeit macht alles, was kommt, Spaß.»

Auch in den Tagen vor seinem Tod war er wieder voll eingespannt, probte in Berlin für seine Rolle als «kleiner König Dezember». Noch am Samstag gab er in einer Radiosendung bei 94,3 rs2 ein Interview. Voller Vorfreude plauderte er über die Aufführung, die Effekte, die Schauspieler. Und über seine Nervosität: «Wie das immer so ist, ich bin kurz vorm Nervenzusammenbruch, wie sich das gehört vor einer Premiere.»

Dirk Bach ist viel zu früh abgetreten. Aber, wie man früher gesagt hätte: Er ist in den Stiefeln gestorben.

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