26. April 2012

«Battlefield»-Entwickler: «Es geht um eine heroische Fantasie»

Berlin (dpa) - Er ist einer der führenden Köpfe der Computerspiele-Branche: Lars Gustavsson arbeitet als «Creative Director» beim Entwicklungsstudio DICE, das zu Electronic Arts gehört.

Der Schwede hat federführend am Ego-Shooter «Battlefield 3» mitgearbeitet, der bis heute 12 Millionen Mal verkauft wurde. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur erklärte er, was die Faszination von Kriegsspielen ausmacht und wie sich der Trend zu kostenlosen Online-Spielen auf DICE auswirkt.

Was macht die Faszination von Ego-Shootern aus?

Gustavsson: «Das Wunderbare an Ego-Shootern wie "Battlefield": Du wirst aus Deinem Wohnzimmer davongetragen in eine andere Welt. Es geht um Dich und Dein Team, fast wie bei einem echten Fußballspiel. Nachher bist Du total verschwitzt. So eine Intensität ist in anderen Bereichen der Unterhaltung sehr selten.»

Die deutsche Öffentlichkeit sieht Kriegsspiele sehr kritisch. Können Sie das nachvollziehen?

Gustavsson: «Das ist verständlich. Allerdings gibt es einen guten Grund für Altersfreigaben. Diese sollten auch beachtet werden. Eltern würden junge Kinder nie einen Horror- und Kriegsfilm anschauen lassen. So soll das auch bei Spielen sein. Wenn die Eltern das Gefühl haben, dass sie die Spiele nicht einschätzen können, sollten Sie einfach auf die Altersfreigaben schauen und sich daran orientieren.»

In der Diskussion spielt eine Rolle, dass die Spiele immer realistischer werden.

Gustavsson: «Wir bauen nicht die Realität nach. Im Spiel geht es um die heroische Fantasie, ein Soldat zu sein, nicht um die hässliche, brutale Realität. Wenn explodierende Gegenstände herumfliegen und die Uniform raschelt, sorgt das für noch mehr Adrenalin, es zieht Dich ins Spiel. Das ist wie bei einem Rennspiel, in dem man quietschende Reifen hören möchte, wenn man auf die Bremse tritt. Trotzdem ist das völlig anders, als einen Rennwagen zu fahren. Man sitzt immer noch in einem bequemen Sessel im Wohnzimmer.»

Ein deutscher Politiker hat sich darüber beschwert, dass mit «Crysis 2» ein Ego-Shooter für den Deutschen Computerspielepreis nominiert ist. Können Sie das nachvollziehen?

Gustavsson: «Für mich ist es schwierig, das einzuschätzen. Aber ich stelle mir die Frage, ob es so eine Aufregung gäbe, wenn es sich um ein Buch oder einen Film mit brutalen Szenen handelte.»

Kostenlose Browser-Spiele - «free to play»-Titel - werden immer beliebter. Wie wirkt sich dieser Trend auf Ihr Studio aus?

Gustavsson: «Gratis-Spiele sind eine Möglichkeit, Spieler zu erreichen. Wir bieten mit "Battlefield Heroes" selbst schon seit Jahren so einen Titel an. Es gibt unterschiedliche Bedürfnisse, einige Spieler wollen einen Snack, andere ein komplettes Essen, wieder andere ein volles Büffet. Wir müssen zuhören, was die Community will. Aber wir glauben an das, was wir tun.»

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