10. Mai 2012

Experte: Soziale Netzwerke können von China lernen

Berlin (dpa) - Kopieren von China: Alexander Shapiro ruft deutsche Soziale Netzwerke zum Abschauen vom Reich der Mitte auf. Die Plattformen seien wirklich auf Chinesen zugeschnitten, während Deutschland nur den USA nacheifere.

Internet-Cafe in Peking
Internet-Cafe in Peking. Foto: Diego Azubel/Archiv
dpa

Soziale Netzwerke in Deutschland können ausgerechnet von ihren zensierten Pendants in China lernen, ist der Stratege Alexander Shapiro überzeugt. «Die Chinesen haben Facebook und andere Plattformen an ihre Kultur angepasst - Deutschland fehlt das», sagte der studierte Philosoph von der Firma DMG Media. Natürlich hätten die Chinesen ursprünglich abgekupfert, aber dann die Plattformen chinesisch umgewandelt. «In Deutschland gibt es sehr viele schlechte Klone», sagte Shapiro im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Allerdings haben Nutzer in China wenig Alternativen. Denn dort werden ausländische Plattformen wie Facebook, Twitter oder YouTube sperrt. Dafür gibt es für nahezu jedes Produkt eine chinesische Kopie. Besonders beliebt ist der Twitter-ähnlichen Mikroblog «Weibo».

«Es fehlen Plattformen, die deutsche Eigenheiten besser reflektieren», meinte Shapiro. Der gebürtige US-Amerikaner arbeitet in China und war zuvor länger in Deutschland. In Deutschland seien die Plattformen zu sehr darauf bezogen, ihren Vorbildern aus den USA nachzueifern, fand er. Ihnen fehlte deutsche Eigenschaften.

In China sei das ganz anders. Aus den amerikanischen Vorbildern hätten die Entwickler in China ganz eigene Plattformen gezimmert. «Chinesische Seiten machen Spaß und überfrachten ihre Nutzer nicht mit unzähligen Zusatzfunktionen», sagte Shapiro. Genau das komme bei Nutzern im Reich der Mitte gut an.

«Wieso gibt es nicht ein soziales Netzwerk in Deutschland mit maximal 10 Freunden?», fragt Shapiro. Es sei eine amerikanische Vorstellung, ganz viele Freunde zu sammeln, wie beispielsweise in Facebook. «In Deutschland hat man nicht eine Million Freunde, sondern drei oder vier wirklich gute Freunde.» Anstatt ein deutsches Netzwerk aufzubauen, passten sich bisher die Nutzer an das US-Vorbild an.

Eine Plattform mit ganz wenigen Freunden wäre etwas Deutsches, meinte Shapiro. «Ich glaube, dass würden Deutsche wertschätzen nach dem Motto: klein aber fein.» Die Plattform sei dann sehr begrenzt, aber genau das könne ihren Reiz ausmachen - auch im Ausland.

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