10. April 2012

Facebook schlägt mit Patentklage gegen Yahoo zurück

New York (dpa) - Facebook wagt kurz vor dem Milliarden-Börsengang eine Patentschlacht mit Yahoo. Das weltgrößte Online-Netzwerk schlägt wenige Wochen nach einer Yahoo-Patentklage mit eigenen Vorwürfen zurück. Bei den zehn Facebook-Patenten geht es ebenfalls um Funktionen von Online-Diensten.

Facebook
Facebook wirft Yahoo die Verletzung von zehn Patenten vor. Foto: Oliver Berg
dpa

Symbolisch ist, dass eines der Patente Firmengründer Mark Zuckerberg an erster Stelle als Erfinder nennt. Facebook will Yahoo an der empfindlichsten Stelle treffen - den Diensten, die die lebenswichtigen Werbeerlöse einbringen.

Yahoo steht derzeit unter massivem Druck. Am Mittwoch kündigte der Internet-Pionier die nächste Stellenabbau-Runde an. Rund 2000 der zuletzt noch 14 000 Arbeitsplätze sollen wegfallen. Damit will der neue Yahoo-Chef Scott Thompson rund 375 Millionen Dollar pro Jahr einsparen. Außerdem versucht Thompson, das Patentportfolio von Yahoo in klingende Münze umzuwandeln.

Yahoo hatte Facebook Anfang März auf der Basis von zehn Patenten verklagt. Das Unternehmen beansprucht für sich, eine Reihe grundlegender Funktionen Sozialer Netzwerke erfunden zu haben. Dabei geht etwa um Technologien zum Verschicken von Nachrichten, zur Anzeige von Neuigkeiten oder dem Abgeben von Kommentaren. Außerdem soll Facebook laut Yahoo auch bei Methoden zur Darstellung von Werbeanzeigen abgekupfert haben.

Die Patentklage von Yahoo kam für Facebook zur Unzeit: Investoren sind schnell verunsichert, wenn solche Konflikte kurz vor einem Börsengang aufbrechen. Facebook gibt dennoch nicht klein bei und nimmt die Herausforderung an. Das Online-Netzwerk kündigte schon nach der Yahoo-Klage an, sich «mit allen Mitteln» wehren zu wollen.

Facebook listet in der am Dienstag veröffentlichten Klage eine breite Palette von Yahoo-Diensten auf, die angeblich Patente des Online-Netzwerks verletzen. Dabei geht es etwa um die Personalisierung von Artikeln für Mitglieder eines Online-Netzwerks, die Weiterleitung von Nutzer-Profilen oder die Anpassung von Datenbanken. Beim Patent zur Markierung digitaler Medien, dem sogenannten «Taggen» listet Zuckerberg (27) an der Spitze der Erfinder auf. Die Vorwürfe von Yahoo weist Facebook zurück.

Facebook kann als junges Unternehmen erst auf ein relativ kleines Patent-Portfolio zurückgreifen. Nach bisherigen Informationen hatte das Online-Netzwerk 56 Patente und gut 500 gestellte Anträge. Allerdings reichte das Arsenal allemal für die Gegenklage mit eigenen und zugekauften Patenten. Vor kurzem erwarb Facebook im Zuge der Abwehrvorbereitungen auch mehrere hundert Patente von IBM - laut einem US-Medienbericht auch solche, auf die Yahoo Lizenzen hält.

Yahoo sprach in einer ersten Reaktion von einem «zynischen Versuch» Facebooks, von der ersten Klage abzulenken. «Andere führende Unternehmen haben Lizenzen für diese Technologien erworben und Facebook muss dies auch tun oder seine Arbeitsweise verändern», hieß es in einer Yahoo-Erklärung, die im US-Blog «All Things Digital» zitiert wird.

Yahoo hatte auch schon kurz vor dem Google-Börsengang 2004 die Patentkeule herausgeholt. Damals bekam Yahoo bei der Einigung 2,7 Millionen Google-Aktien, die wenig später mehrere hundert Millionen Dollar wert waren.

Bei dem Börsengang will Facebook voraussichtlich im Mai mindestens fünf Milliarden Dollar erlösen. Das wäre der bisher größte Börsengang eines Internet-Unternehmens. Der Wert des gesamten Unternehmens wird bei rund 100 Milliarden Dollar gesehen.

Facebook ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen und hatte zuletzt 845 Millionen Nutzer. Der einstige Internet-Vorreiter Yahoo schwächelt hingegen. Zuletzt gab es zwar immer noch 700 Millionen Nutzer - doch die Einnahmen gehen zurück, sogar bei der Banner-Werbung, in der Yahoo immer besonders stark war.

Facebook-Klage

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