10. April 2012

Google-Chef: «Sind immer noch Innovationsmotor»

New York (dpa) - Google-Chef Larry Page sieht sein Unternehmen weiterhin als Innovationsmotor und Weltverbesserer.

Larry Page
Google-Gründer und Chef Larry Page. Foto: Barry Sweet
dpa

Das Wesen des Unternehmens sei, «Technologie in großem Maßstab einzusetzen: technologische Fortschritte, die Menschen helfen, das Leben und die Gesellschaft verbessern», sagte Page in einem Interview mit dem Magazin «Bloomberg Businessweek» zum ersten Jahrestag seiner Rückkehr an die Google-Spitze. «Unsere Seele ist im Grunde die selbe geblieben», betonte Page angesichts der aktuellen Kritik, Google vernachlässige seine Wurzeln in der Internet-Suche bei der Aufholjagd zum weltgrößten Online-Netzwerk Facebook.

Es war seit langem das erste große Interview von Page, in dem der Google-Mitbegründer seine strategische Vision skizzieren konnte. Dabei deutete er einen neuen Schwerpunkt in der Eigenwahrnehmung an. «Unsere Mission war es, das Wissen der Welt zu ordnen und es allgemein zugänglich und nützlich zu machen - und ich denke, wir haben beim menschlichen Teil davon mehr ausgelassen als wir sollten.»

Page hatte vor einem Jahr nach zehnjähriger Pause wieder die Konzernspitze von Eric Schmidt übernommen. Er setzt massiv auf das Online-Netzwerk Google+, das eine Facebook-Alternative ist und diverse Dienste unter einem gemeinsamen Dach vereint. Zuletzt wurde das Unternehmen in der Internet-Branche für die stärkere Einbindung von Google+ auch in seine Suchmaschine kritisiert. Zudem prüfen Wettbewerbshüter Vorwürfe von Konkurrenten, Google benachteilige sie bei den Suchergebnissen.

Google konnte lange nicht bei Online-Netzwerken Fuß fassen, während Facebook inzwischen auf rund 850 Millionen Mitglieder angewachsen ist. Auch wenn klar sei, dass Google+ nicht von heute auf morgen größer als alle anderen Online-Netzwerke sein werde, sei er mit dem Wachstum zufrieden, sagte Page.

Zugleich teilte der Google-Gründer einige Seitenhiebe gegen die Konkurrenz aus. So sei Facebook einseitig verschlossen, was Nutzerinformationen angehe. «Unsere Freunde bei Facebook haben viele, viele, viele GMail-Adressen importiert und lassen keine heraus. Und sie behaupten, dass diese Daten nicht den Nutzern gehören, was eine absolut fadenscheinige Behauptung ist. Es ist völlig unsinnig.»

Den aktuellen Patentkonflikt in der IT-Branche nannte Page bedauerlich. «Viel Geld geht für Anwälte und sonstiges drauf, anstatt damit großartige Produkte für die Nutzer zu entwickeln.» Ohne konkret ein Unternehmen zu nennen, fügte Page noch einen verbale Ohrfeige hinzu: «Ich denke, dass Unternehmen üblicherweise dazu greifen, wenn ihr Lebenszyklus sich dem Ende nähert und sie kein Vertrauen mehr in ihre Fähigkeit haben, auf natürliche Weise zu konkurrieren.»

Von den Gegnern im Patentkonflikt dürfte das eher eine Spitze gegen Microsoft denn gegen Apple gewesen sein - denn schließlich brechen iPhone und iPad bei Apple Verkaufsrekorde und sorgten für Geldreserven von rund 100 Milliarden Dollar - auch nach den Ausgaben für die Patentanwälte.

Der Patentkrieg von Apple gegen Googles mobiles Betriebssystem Android sei zudem aus seiner Sicht lediglich eine «Show» gewesen, erklärte Page. «Ich denke, das diente ihren Interessen. Vielen Unternehmen hilft es, das Gefühl zu haben, man habe einen klaren Konkurrenten, und sich darum zusammenzuschließen.» Er persönlich wolle höher hinaus: Man sollte im Blick behalten, was möglich sei und wie man die Welt besser machen kann.

Laut der im Herbst veröffentlichten Biografie von Apple-Gründer Steve Jobs soll er so wütend über Ähnlichkeiten mit dem iPhone bei Android gewesen sein, dass er einen «Nuklearkrieg» gegen die Plattform versprach. Apple und Android-Hersteller wie Samsung, Motorola oder HTC beklagen sich inzwischen in vielen Ländern, darunter auch in Deutschland. Google will den Handy-Pionier Motorola kaufen, um das Patentarsenal hinter Android zu stärken. Jetzt prüft allerdings die EU-Kommission nach Beschwerden von Apple und Microsoft, ob Motorola seine Standard-Patente missbraucht.

Interview bei «Bloomberg Businessweek»

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