04. März 2013

«Handelsblatt» als App mit Aktualisierung fürs iPad auf dem Markt

Düsseldorf (dpa) - Das «Handelsblatt» ist jetzt auch als App für das iPad auf dem Markt - mit eingebauter Aktualisierung als Morgen-, Mittags- und Abendzeitung. Die erste Ausgabe von «Handelsblatt Live» kam am Sonntagabend heraus.

Handelsblatt als App
Für Zeitungsleser gibt es diverse Titel längst auf dem iPad und anderen Tablet-Computern. Das «Handelsblatt» baut nun eine Aktualisierung ein. Foto: Martin Gerten
dpa

Jeweils ab 6.00 Uhr am nächsten Morgen ist die erste aktualisierte Version zu haben, ab 12.00 Uhr die nächste. Damit baut die Wirtschaftszeitung Neuigkeiten ein, die während der Nacht und am Vormittag passieren. «Die Welt ist schneller geworden, und das reflektiert die App», sagte Gabor Steingart, Vorsitzender der Geschäftsführung und Herausgeber des «Handelsblatts».

Die beiden aktualisierten Ausgaben am frühen Morgen und am Mittag setzten die Leser nicht unter zusätzlichen Druck, sagte Steingart: «Nicht wir beschleunigen die Welt. Die Welt beschleunigt die Medien. Wir schaffen mehr Wahlfreiheit. Es gibt keinen Zwang, in die aktualisierten Ausgaben reinzugucken. Aber an Werktagen kann es gute Gründe geben, mit der beschleunigten Welt mitzugehen.» Steingart war «Handelsblatt»-Chefredakteur, bevor er im Januar in die Geschäftsführung wechselte. Sein Nachfolger an der Spitze der Redaktion ist Hans-Jürgen Jakobs.

«Handelsblatt Live» bietet die Aktualisierungen automatisch an. Dann muss aber nicht die ganze Zeitung neu heruntergeladen werden, sondern lediglich die neuen und die überarbeiteten Artikel. Zu den Firmen, die in einem Bericht vorkommen, kann per Fingerdruck der laufend aktualisierte Aktienkurs aufgerufen werden. Top-Nachrichten werden auch zwischendurch in die App eingestellt. Für andere Tablets und Betriebssysteme als das iPad sollen in den nächsten Monaten Angebote folgen.

Die Aktualisierung im Lauf des Tages sei keine Erfindung aus dem Internetzeitalter, meint Steingart: «Ich glaube, dass wir in der Zeitungstradition der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts stehen. Damals war die Zeitungswelt vergleichsweise schnell - die Frühausgabe, die Mittagsausgabe, die Spätausgabe - und bei Bedarf ein Extrablatt.» Solch eine Schnellzeitung als Reaktion auf ein Weltereignis sei auch mit der App machbar: «Wenn Bin Laden getötet wird oder 9/11 sich wiederholt, dann gibt es eine Extraausgabe.»

Online-Medien machen nach Ansicht Steingarts den Informationsfluss aber nicht nur schneller: «Die meisten verstehen nicht, dass das Internet auch langsamer ist als Print, weil wir Sachen aufbewahren können. Dafür haben wir Features in der App. Nicht der Leser muss die Inhalte aufheben, wir heben sie für ihn auf. Das wichtige Interview zum Beispiel, das heute in der Zeitung steht, morgen aber nicht mehr. In der App bleibt es stehen, und man kann es nachlesen.»

Steingart sieht einen Markt für elektronische Zeitungen. Mit der im Dezember in den USA gescheiterten «The Daily» von Medien-Mogul Rupert Murdoch sei «Handelsblatt Live» nicht vergleichbar, meint Steingart: «"Daily" war eine digitale Neuentwicklung. Unsere App ist die Übersetzung einer ehrwürdigen Traditionszeitung in das neue Zeitalter. Wir haben schon bei den Online-Websites gesehen, dass die Traditionsmarken ihr Leben mit neuer Energie weiterführen. Ein Glaubwürdigkeitskapital hat Daily nie besessen. Wir Traditionsmarken aber besitzen dieses Glaubwürdigkeitskapital, und das transformieren wir in die digitale Zeitung.»

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