19. April 2012

Microsoft verdient an Firmenkunden

Redmond (dpa) - Das neue Windows 8 steht bereits in den Startlöchern, doch Windows 7 lässt bei Microsoft derzeit die Kassen klingeln. Die Firmenkunden haben ihre Zurückhaltung aufgegeben und bestücken ihre Unternehmen mit neuer Software.

Windows 7
Trotz aller Prophezeiungen, dass der klassische PC ein Auslaufmodell ist, läuft das Geschäft des Software-Konzerns Microsoft rund. Foto: Microsoft
dpa

Das sorgte bei Microsoft im dritten Geschäftsquartal von Januar bis März für gute Geschäfte. Auch die Bürosoftware Office und die Server-Programme verkauften sich besser als im Vorjahreszeitraum, wohingegen die Spielekonsole Xbox 360 regelrecht abstürzte. Geld verliert Microsoft auch im Online-Sektor.

Insgesamt stieg der Umsatz um 6 Prozent auf 17,4 Milliarden Dollar (13,2 Mrd Euro), wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Der Gewinn sank jedoch unter anderem wegen gestiegener Entwicklungskosten und höherer Steueraufwendungen um 2 Prozent auf unterm Strich 5,1 Milliarden Dollar. Die Spielesparte rutschte ins Minus. Mit den Zahlen übertraf Microsoft die Erwartungen der Analysten. Nachbörslich legte die Aktie um 2 Prozent zu.

«Wir nähern uns einigen spannenden Neuvorstellungen», erklärte Konzernchef Steve Ballmer. An erster Stelle steht derzeit das neue Windows 8, das voraussichtlich schon im Oktober auf den Markt kommen soll. Mit dem neuen Computer-Betriebssystem will Microsoft den Sprung in den Markt mit den populären Tablet-Computern schaffen: Windows 8 läuft gleichermaßen auf klassischen PCs wie auf den mobilen Geräten. Eine Vorabversion ist bereits zum Testen im Umlauf und stieß auf großes Interesse. «Die Entwicklung von Windows 8 liegt im Plan», sagte Microsoft-Manager Bill Koefoed in einer Telefonkonferenz.

Derzeit bestücken viele Unternehmen ihre neuen PC aber mit dem erprobten Windows 7. «Die Firmenkunden erneuern anhaltend ihre Hardware», stellte Finanzchef Peter Klein fest. Die Zahl der verkauften Lizenzen stieg prozentual zweistellig. Einer der Gründe: Auf etlichen Bürorechnern ist immer noch das mittlerweile mehr als zehn Jahre alte Windows XP installiert, für das 2014 die Unterstützung durch Microsoft ausläuft.

Nach nur sehr mäßigem Interesse an dem Vorläufer Windows Vista kurbelt Windows 7 das Geschäft bei Microsoft nun wieder an. Weltweit sind nach Angaben von Microsoft bereits 40 Prozent aller Desktop-Rechner in Unternehmen weltweit mit Windows 7 bestückt. Derzeit sehe es so aus, als wachse die Windows-Sparte bei Microsoft kräftiger als der weltweite PC-Markt, sagte Brendan Barnicle, Analyst bei der Investmentbank Pacific Crest Securities in Oregon der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Dem Geschäft mit Personal Computern hatte zuletzt die Eurokrise, eine Knappheit an Festplatten nach den Flutkatastrophen in Thailand und die wachsenden Popularität der Tablets zu schaffen gemacht.

Der Umsatz in der Windows-Sparte stieg um 4 Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar. Im vorangegangenen Weihnachtsquartal waren die Verkäufe dagegen noch merklich zurückgegangen - die konkurrierenden Tablet-Computer wie Apples iPad hatten sich zum beliebten Geschenk gemausert. Apple schrieb damals mit 13,1 Milliarden Dollar den höchsten Quartalsgewinn seiner Firmengeschichte. Der Microsoft-Rivale legt am kommenden Dienstag (24. April) seine neuesten Zahlen vor.

Windows ist für Microsoft allerdings nur noch das zweitwichtigste Standbein nach den Büroprogrammen. Der Umsatz der Office-Sparte kletterte um 9 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar. Auch in Sachen Gewinn hat das Mitte 2010 veröffentlichte Bürosoftware-Paket längst Windows überholt.

Doch es gibt auch Verlustbringer bei Microsoft: Zum einen das Onlinegeschäft mit der Suchmaschine Bing. Dank gestiegener Werbeeinnahmen reduzierte sich das Minus aber auf 479 Millionen Dollar. Microsoft hatte sich mit Yahoo verbündet, um dem Marktführer Google Paroli bieten zu können. Zum anderen verlor Microsoft mit seinen Unterhaltungsprodukten überraschend 229 Millionen Dollar.

Die Verkäufe der Xbox 360 halbierten sich beinahe, nachdem das Spielen auf Smartphones und Tablet-Computern immer beliebter wird. Die Xbox sei aber noch immer die meistverkaufte Konsole in den USA, betonte Microsoft. Die Xbox-Live-Plattform zählt drezeit rund 40 Millionen registrierte Nutzer. Zuletzt hatte sich das Unternehmen mit weiteren Partnern neue TV-Inhalte für die Plattform sichern können. eine Konsole der nächsten Generation dürfte das Unternehmen aber frühestens im kommenden Jahr an den Start bringen.

Im Smartphone-Markt will Microsoft nun auch verstärkt mit seinen Windows Phones Fuß fassen. Das sei eine der Prioritäten, sagte Finanzchef Klein. Um gegenüber Apple mit seinem iOS auf den iPhones und Google mit seinem Betriebssystem Android aufzuholen, hatte sich Microsoft mit dem Handy-Pionier Nokia zusammengetan. Jedoch entpuppt sich die Partnerschaft als schwierig. Nokia häufte von Januar bis März einen Verlust von 929 Millionen Euro an. Den Start des Hoffnungsträgers Lumia hatten überdies Softwarefehler überschattet. Laut Marktforschungsinstitut Gartner hatte Windows Phone unter den Smartphones zuletzt einen Marktanteil unter 2 Prozent.

Microsoft-Zwischenbilanz

Gartner-Mitteilung zu PC-Verkäufen

Nokia-Quartalsbericht

Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige