12. Februar 2013

«Safer Internet Day 2013»: Wachsam im Netz

Berlin (dpa) - Der Schutz vor den negativen Auswirkungen der digitalen Welt stand beim «Safer Internet Day» am Dienstag im Mittelpunkt. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) forderte eine breite gesellschaftliche Debatte über den Datenschutz im Internetzeitalter.

Passwort
Microsoft hat das Sicherheitsverhalten der Internet-Nutzer unter die Lupe genommen. Foto: Andrea Warnecke
dpa

Das gelte besonders angesichts immer perfekterer Aufzeichnungs- und Analysetechniken. «Je sensibler die Daten sind, desto höher müssen die Sicherheitsvorkehrungen sein», sagte sie auf einer Fachtagung in Berlin.

Inzwischen gibt es im digitalen Zeitalter enorme Mengen an Daten und unstrukturierten Informationen. Ihre Auswertung bietet ganz neue Möglichkeiten. So lassen sich durch Verkehrs- und Wetterdaten Staus und Unfälle vermeiden, wertvolle Informationen zu Medikamenten und medizinischen Behandlungen auswerten oder mit sogenannten Smartmetern der Stromverbrauch deutlich senken. Dieter Kempf, Präsident des Branchenverbands Bitkom, warnte daher vor einer Überregulierung: Die enormen Vorteile der Datenauswertung für viele Bereiche der Gesellschaft dürften nicht verspielt werden.

«Die Verbraucher müssen die Kontrolle über ihre Daten behalten», betonten dagegen Aigner. Massenhafte Datensammlung und -analyse solle nur möglich sein, wenn die Betroffenen aktiv einwilligen und ihre Daten anonymisiert werden. Nur die Namen zu löschen, reiche nicht aus. «Bewegungsdaten könnten leicht auch ohne Namen oder Telefonnummer zugeordnet werden, wenn jemand sich zum Beispiel am üblichen Aufenthaltsort zur Schlafenszeit orientiert oder bestimmte Aufenthaltsorte einer Person kennt.»

Auch beim Schutz der persönlichen Daten vor kriminellen Passwort-Knackern mahnen Experten zur Vorsicht. Nutzer sollten keine Begriffe aus dem Wörterbuch als Passwort verwenden. Auch Angriffe auf Unternehmen hätten zuletzt zugenommen, berichten die Sicherheitsexperten F-Secure. Hacker versuchten immer häufiger, Mitarbeitern gezielt Schadprogramme unterzuschummeln, indem sie vermeintlich vertrauenswürdige E-Mails verschicken. Jede Firma, die im Internet präsent sei, könne Ziel solcher Angriffe werden.

Nicht nur Hacker bedienen sich zunehmend ausgefeilterer Techniken. Auch Neonazis werben immer geschickter im Internet um Anhänger. Ihre Webseiten sind häufig nicht auf den ersten Blick als rechtsextrem zu erkennen, berichteten Experten. «Das ist nicht mehr so plump», sagte Jürgen Brautmeier, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten. «Man erkennt es nicht mehr so einfach.»

Rechtsextreme gäben sich als Verfechter vermeintlich harmloser Themen wie Tierschutz oder der strengeren Bestrafung von Straftaten gegen Kinder aus. «Das sind Anliegen, die sich die Rechtsextremen zu eigen machen, mit denen sie erstmal Sympathisanten locken», sagte Brautmeier in Berlin. Eltern und Lehrerinnen sollten mit Kindern darüber sprechen, welche Webseiten sie im Internet aufrufen und ob sie dort auf fragwürdige Inhalte stoßen. Dazu hat die EU-Initiative «klicksafe» Unterrichtsmaterialien zusammen gestellt.

Im Zweifel sollten Menschen fragwürdige Einträge an die Landesmedienanstalten, die Polizei oder Webseiten wie jugendschutz.net melden. Den Betreibern sozialer Netzwerke riet er, rechtsextreme Inhalte zu entfernen, wenn sie darauf aufmerksam gemacht werden. Ähnlich äußerte sich Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). «Ich appelliere an die Zivilgesellschaft und auch die Betreiber solcher Netzwerke: Kein "like" für Neonazis», erklärte sie.

Jugendliche sollten auch mit ihren Freunden sprechen, wenn sie sich über etwas im Internet wundern, sagte Hans Sarpei. Der ehemalige Bundesligaspieler ist für seine Aktivitäten auf sozialen Netzwerken bekannt, auf Twitter und Facebook hat er mehr als 300 000 Fans um sich geschart. Der dunkelhäutige Spieler rief Jugendliche auf, gegen rechtsextreme Inhalte vorzugehen. «Sie sollten das melden und zeigen, dass diese Seite nicht korrekt ist», sagte er. Auch seine Fans schritten bei Anfeindungen im Internet ein. Er wolle Menschen sagen, «dass sie was dagegen tun müssen und nicht nur hinschauen, sondern dann auch handeln.»

Der «Safer Internet Day» wird von der Europäischen Union unterstützt und soll Menschen auf den sicheren Umgang mit dem Netz aufmerksam machen.

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