29. Mai 2012

Studie: Google, Apple & Co. verdrängen kleine IT-Provider

Berlin/München (dpa) - Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) sind einer neuen Analyse zufolge derzeit dramatischen Marktverschiebungen ausgesetzt und müssen um ihre Geschäftsmodelle bangen.

Vor allem klassische und eher regional agierende IT-Service-Provider und Telekommunikationsunternehmen müssten teilweise massiv mit Software- und Internet-Unternehmen um Marktanteile ringen, erklärte Booz & Company am Montag. Das Beratungsunternehmen untersuchte erstmals die 50 größten Unternehmen der Branche auf Innovationskraft und Wachstumspotenzial hin.

Durch die fortschreitende Digitalisierung würden sich traditionelle Geschäftsbereiche immer häufiger überlappen und die Branchengrenzen in einem «gnadenlosen Verdrängungswettbewerb» wegbrechen, hieß es. Anbieter wie Apple und Google machten etwa mit Tablet-Computern, digitalen Inhalten und Cloud-Services etablierten Playern das Terrain streitig. Vor allem klassische IT-Service-Provider und Telekommunikationsunternehmen steckten vielfach in einer «strukturellen Wachstums-, Innovations- und Ertragskrise». In beiden Branchen stagnierten die Erträge seit fünf Jahren.

Booz sieht eine immer weiter auseinanderklaffende Schere. Während die Top Ten der in der Studie untersuchten weltweit agierenden Software- und Hardware-Unternehmen zusammen mehr als 50 Milliarden Euro jährlich in die Forschung und Entwicklung steckten, stehe unter den ersten 20 der klassischen IT-Service-Provider lediglich ein Siebtel des Betrags dafür zur Verfügung stehen. Dadurch werde sich die Abhängigkeit noch weiter verschärfen, so die Strategieberater. Wenn die regionalen Service-Provider und Telekom-Firmen nicht bald am «Innovationstropf der Hard- und Softwareanbieter» hängen wollten, müssten sie jetzt ihr Angebot zu einem Ökosystem weiterentwickeln, sagte Olaf Acker von Booz & Company.

Auf Platz eins der Liste der Top-50-Unternehmen aus der ICT-Branche sieht das Unternehmen den Softwareriesen Microsoft. Auf Platz zwei steht Oracle, gefolgt von IBM, HP, Cisco und Apple. Das Walldorfer Softwarehaus SAP auf Platz sieben ist das einzige Unternehmen aus Deutschland, das im Ranking von Booz & Company unter den Top Ten rangiert. Google landet im Gesamtranking auf Platz 32, im «Software»-Ranking liegt der Konzern auf Rang 6.

Für die Analyse untersuchte Booz & Company die Teilbranchen Hardware, Software, Telekommunikation und IT-Services. Dabei standen vier Aspekte im Mittelpunkt: Die finanzielle Ertrags- und Investitionskraft, die Angebots- und Portfoliostruktur sowie auch Innovationsgrad und Positionierung in Wachstumsmärkten. Schließlich sei die Vertriebsorientierung analysiert worden.

Die Strategie der vergangenen Jahre, auf IT-Services und Systemintegration zu setzen, dafür aber eigene Hardware-Angebote abzustoßen, habe im Zeitalter der Digitalisierung ihre Berechtigung verloren, so ein Resümee der Marktbeobachter. «Wir erachten vielmehr Anbieter als besonders aussichtsreich, die ein integriertes Lösungs-Ökosystem rund um ein starkes Hard- oder Software-Kernangebot sowie dafür maßgeschneiderte Dienste und Inhalte offerieren können», sagte Germar Schröder, Mitglied der Geschäftsleitung von Booz & Company.

Von diesem Geschäftsmodell profitierten vor allem Microsoft mit seinem integrierten Cloud-Angebot und Oracle mit einem breiten Portfolio für Datenbank-Anwendungen. Ähnlich wie Google kombinierten sie einen innovativen Technologiekern mit Informations- und Kommunikations-Services in ihrem Portfolio. IT-Service-Anbieter dagegen hätten mit ihrem klassischen Leistungs- und Altlösungsportfolio das Nachsehen.

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