12. Dezember 2012

Von der Leyen: Digitale Arbeitswelt erfordert neue Konzepte

Berlin (dpa) - Die klassischen Modelle von Arbeit und Beschäftigung werden sich in den nächsten Jahren zunehmend ins Internet verlagern - über diese Entwicklung beriet am Freitag eine Konferenz zur Zukunft der Arbeit in Berlin.

Bundestag
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) rief dazu auf, zentrale Werte der Arbeitswelt wie die Mitbestimmung in digitale Organisationsformen zu übertragen. Foto: Maurizio Gambarini
dpa

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) rief dazu auf, zentrale Werte der Arbeitswelt wie die Mitbestimmung in digitale Organisationsformen zu übertragen. «Die Arbeit wandert aus den Büros in die digitale Cloud», sagte von der Leyen auf der Konferenz der Wochenzeitung «Die Zeit». Arbeit werde zunehmend nicht mehr im Unternehmen an fest angestellte Mitarbeiter verteilt, sondern projektbezogen weltweit angeboten, manchmal nur für Stunden, manchmal für einige Jahre. «Man wird eingebaut in ein Team, das sich zufällig und weltweit zusammensetzt.»

Unternehmen, die in solchen flexiblen Arbeitsmodellen nur eine Einsparung von Kosten sähen, würden schnell zu den Verlierern der digitalen Arbeitswelt gehören, sagte die Politikerin. Gewinnen würden diejenigen, die das Grundprinzip des Internets, die Partizipation, in der Organisation der digitalen Arbeitswelt erfahrbar machen könnten.

Mobile Geräte mit ständigem Anschluss beschleunigten die Entgrenzung von Arbeit und Freizeit, sagte von der Leyen und warnte vor negativen Folgen: «Burnout ist kein Fachbegriff, er ist ein sehr plastischer Begriff, der genau beschreibt, was da passiert.» Dies dürfe nicht als Modeerscheinung abgetan werden. Jährlich gingen 53 Millionen Krankheitstage in Deutschland auf psychische Erkrankungen zurück. Dies bedeute einen volkswirtschaftlichen Schaden von acht Milliarden Euro. «Das ist ein handfester Faktor, das ist keine Befindlichkeitsstörung.»

Die Arbeitsministerin rief deswegen die Teilnehmer der Konferenz dazu auf, «ein völlig neues Verständnis von Führung» zu entwickeln und «Werte, die uns stark gemacht haben, zu übersetzen in die digitale Welt». Dazu gehöre auch ein virtuelles Wir-Gefühl, denn «es gibt in der Cloud keine Kaffeeküche».

«Wir sind gerade am Anfang, neue Möglichkeiten zu bekommen», sagte der frühere Vorstandssprecher von SAP, Henning Kagermann. Mit der Vernetzung zwischen Unternehmen könnten neue kreative Geschäftsprozesse entwickelt werden. Der Vorstandsvorsitzende von Telefónica Deutschland, René Schuster, warb für die Chancen der Selbstständigkeit und zitierte den Slogan: «If you have a brain, you are a startup» (Wenn du ein Gehirn hast, bist du ein Startup). Die Zukunft der Arbeit sei digital und mobil: «Künftig werden wir arbeiten, wann und wo wir wollen.»

Thomas Schröder von der Microsoft-Geschäftsführung in Deutschland sprach in Anlehnung an das umfassende Reformprogramm der USA in den 1930er Jahren von einem «New Deal für das digitale Zeitalter» und erklärte: «Damit die digitale Arbeitswelt zu einem Vorteil für Unternehmen und Mitarbeiter wird, braucht es einen Ausgleich zwischen Technologie und menschlichen Ansprüchen.»

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