Alle U-Bahn-Stationen geräumt
03. April 2017

Explosion in St. Petersburger U-Bahn: Mindestens zehn Tote

Terroranschläge haben schon viele russische Städte getroffen, aber noch nie die nördliche Metropole St. Petersburg. Nun explodiert dort eine Bombe in der U-Bahn, es gibt viele Tote und Verletzte.

U-Bahn-Station Tekhnologichesky Institut
Opfer der Explosion in der U-Bahn-Station Tekhnologichesky Institut werden von Helfern versorgt. Foto: Videograb/dpa
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Explosion in St. Petersburg
Rettungskräfte und ein Hubschrauber am Moskowski Prospekt beim Eingang zur Tekhnologichesky Institut U-Bahnstation in St. Petersburg. Foto: Peter Kovalev/TASS
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Explosion in St.Petersburg
Rettungskräfte an der U-Bahnstation Sennaja Ploschtschad (Heuplatz) in St. Petersburg. Foto: Videograb
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St. Petersburg (dpa) - Bei einer Sprengstoffexplosion in der U-Bahn der russischen Stadt St. Petersburg sind mindestens zehn Menschen getötet worden. Etwa 50 Menschen seien verletzt worden, wie ein Sprecher der Stadtverwaltung sagte.

Den Angaben nach explodierte ein Sprengsatz in einem Zug auf der Fahrt zwischen zwei Stationen im Zentrum.

Präsident Wladimir Putin war in St. Petersburg, hielt sich aber nach Angaben seines Sprechers im Vorort Strelna auf. Die Sicherheitsbehörden würden die Explosion aufklären, versprach Putin. «Wir ziehen alle Möglichkeiten in Betracht - ob es eine kriminelle Tat war oder sie einen terroristischen Charakter hat», sagte er der Agentur Interfax zufolge. Alle Anzeichen deuteten auf einen Terroranschlag hin, sagte Viktor Oserow, Abgeordneter im russischen Föderationsrat.

Behördenquellen schätzten die Sprengkraft auf 200 bis 300 Gramm Dynamit. Der Sprengsatz sei mit Metallteilen versehen gewesen. Nach ersten Erkenntnissen sei kein Selbstmordattentäter unterwegs gewesen. Der Sprengsatz sei in dem Wagen platziert worden.

Alle U-Bahn-Stationen in der Fünf-Millionen-Stadt wurden geräumt. In der betroffenen Station Sennaja Ploschtschad (Heuplatz) entwickelte sich starker Rauch. Im Internet machten Bilder des zerstörten U-Bahn-Wagens die Runde.

Der mutmaßliche Bombenleger ist nach inoffiziellen Behördenangaben von der Videoüberwachung gefilmt worden. «Die Videokameras der Metro haben den mutmaßlichen Urheber der Explosion gefilmt», sagte ein nicht genannter Behördenvertreter der Agentur Interfax. Nach unbestätigten Angaben wurde der Sprengsatz in einer Aktentasche in dem U-Bahn-Wagen abgelegt. Die Bombe detonierte an der Station Sennaja Ploschtschad (Heuplatz) im Zentrum der Fünf-Millionen-Stadt.

In der Vergangenheit hatte es mehrere Anschläge auf die U-Bahn in Moskau mit zahlreichen Toten gegeben. Die meisten davon wurden in Verbindung mit islamistischen Terroristen aus Tschetschenien gebracht. In St. Petersburg gab es bislang keine Anschläge.

Der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Steffen Seibert, schrieb auf Twitter: «Das sind furchtbare Nachrichten aus St. Petersburg: Unser Mitgefühl gilt allen Betroffenen und ihren Familien.» Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hat sich tief bestürzt über die Explosion in der U-Bahn gezeigt. «Neben dem Entsetzen gibt es einfach jetzt nur die große Trauer und das Mitgefühl mit den betroffenen Familien und den Menschen in Russland», sagte der SPD-Politiker in Luxemburg am Rande eines Treffens der EU-Außenminister.

Mittlerweile ist ein weiterer, nicht explodierter Sprengsatz entdeckt worden. Das meldete die Agentur Interfax unter Berufung auf Behördenquellen in der russischen Millionenstadt. Gefunden wurde die Bombe demnach in der Metrostation Ploschtschad Wosstanija (Platz des Aufstands), die direkt unter dem größten Bahnhof der Stadt liegt.

Am St. Petersburger Flughafen Pulkowo wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt, ebenso in der Metro der Hauptstadt Moskau.

Die Metro in St. Petersburg

Die Untergrundbahn in St. Petersburg gilt als die tiefste der Welt. Aufgrund des sumpfigen Grundes mussten die Tunnelschächte in bis zu 100 Metern Tiefe und mehr gegraben werden.

Die Rolltreppen in den Stationen sind entsprechend lang.

Der Bau begann zu Sowjetzeiten. 1955 wurde im damaligen Leningrad die erste Linie eröffnet, 10,8 Kilometer lang mit acht Stationen. Einige Stationen sind besonders prunkvoll.

Heute gibt es fünf Metrolinien mit einer Streckenlänge von etwa 110 Kilometern und 67 Stationen. Täglich werden schätzungsweise etwa drei Millionen Menschen befördert.

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