16. April 2014

Fähre sinkt vor Südkorea: Hunderte Tote befürchtet

Seoul (dpa) - Katastrophales Ende eines Schulausflugs: Eine Fähre ist vor Südkorea gesunken und hat möglicherweise fast 300 Menschen in den Tod gerissen, darunter viele Schüler. Mehr als 280 der rund 460 Menschen an Bord werden noch vermisst.

«Sewol» in Schräglage
Die Fähre «Sewol» ist vor Südkorea in schwere Seenot und fast ganz untergegangen. Foto: epa/Yonhap
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Rettungsaktion
Dramatische Rettungsaktion vor der Küste: Experten vermuten, dass das Schiff auf einen Felsen gelaufen sein könnte. Foto: Südkoreanische Küstenwache
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Untergegangen
Nur noch die Spitze der «Sewol» lugt aus dem Wasser. Foto: epa/Yonhap
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In Sorge
Familienmitglieder überprüfen Listen mit den Namen Überlebender. Foto: epa/Yonhap
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"Sewol"
Seit Anfang 2013 befuhr die "Sewol" die Strecke zwischen Inchon und Cheju. Foto: Hasenpusch/Archiv
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Fast 180 seien gerettet worden, berichtete die Zeitung «The Korea Herald» in der Nacht zu Donnerstag (Ortszeit). Die Hoffnung, dass es noch mehr Überlebende gibt, sank stündlich. Die Behörden befürchten, dass zahlreiche Passagiere im Inneren des Schiffs «Sewol» eingeschlossen wurden. Möglicherweise hat die Fähre, mit der mehr als 300 Schüler am Mittwoch auf eine Insel fahren wollten, vor der Südwestküste einen Felsen gerammt.

Der Tod von sechs Menschen wurde bestätigt, schrieb «The Korea Herald». Mehr als 50 wurden verletzt. Aufgrund der Wassertemperatur von zwölf Grad und der Meerestiefe seien die Überlebenschancen für die Vermissten sehr gering.

Die Ursache des Unglücks ist noch unklar, möglicherweise lief das Schiff auf einen Felsen auf. Aber auch ein Motorschaden wird nicht ausgeschlossen. Gerettete Passagiere berichteten von einem lauten Schlag, bevor das Schiff Schlagseite bekommen habe. Die «Sewol» war auf dem Weg von Inchon auf die südliche Ferieninsel Cheju in Seenot geraten. Auf Videobildern war zu sehen, wie schnell das Schiff sank. Passagiere versuchten verzweifelt, sich in kleine Boote zu retten. Helfer mussten zusehen, wie die «Sewol» unterging.

Nachdem die Besatzung um etwa 9.00 Uhr einen Notruf abgesetzt hatte, lief eine großangelegte Rettungsaktion an, an der sich auch Fischerboote beteiligten. Starke Strömung und schlechte Sicht unter Wasser behinderten die Rettungsarbeiten. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Mitglieder einer Marine-Spezialeinheit nach dem gesunkenen Schiff tauchten. Die Suche dauerte bis spät in die Nacht.

Mehr als 100 Schiffe und Flugzeuge hätten das Gebiet um die Unglücksstelle abgesucht, die rund 20 Kilometer vor der Insel Chindo lag, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Staatspräsidentin Park Geun Hye drängte wegen der heranbrechenden Nacht zur Eile. Sie sei «tief bestürzt», sagte Park.

Bei den Todesopfern handelt es sich Medien zufolge um eine Angestellte des Schiffsbetreibers und drei Schüler. Über die Identität der übrigen Toten lagen zunächst keine Angaben vor. Die Schüler gehörten zu einer Ausflugsgruppe der Danwon-Oberschule aus der Seouler Vorstadt Ansan. Das Fernsehen zeigte Bilder von verzweifelten Vätern und Müttern, die sich in der Schule versammelten oder in die Häfen im Südwesten des Landes eilten. Sie alle hofften auf Lebenszeichen ihrer Kinder.

«Ich hörte ein laut pochendes Geräusch, bevor das Schiff stoppte», sagte ein Schüler per Telefon dem Kabelsender YTN. Nach dem Sprung ins Meer sei er zusammen mit anderen zu einem Rettungsboot geschwommen, sagte ein anderer Schüler. Über die Wetterlage herrschte Unklarheit: Einige Medien berichteten, es sei zur Unglückszeit neblig gewesen.

Der Rundfunksender KBS berichtete unter Berufung auf einen Beamten der Küstenwache, dass das Schiff aus noch ungeklärten Gründen auf der vielbefahrenen Fährstrecke möglicherweise außerhalb der normalen Route gefahren sei.

Auf dem Schiff waren nach Angaben des Krisenstabs 459 Menschen - anfangs war von mehr als 470 die Rede gewesen. Auch hatten die Behörden kurz nach dem Untergang zunächst von etwas mehr als 100 Vermissten gesprochen. Die Zahl habe aufgrund von Fehlberechnungen korrigiert werden müssen, hieß es dann.

Die 1994 gebaute Fähre konnte den Berichten zufolge mehr als 900 Passagiere und 130 Autos aufnehmen. Das 6835-Tonnen-Schiff war 146 Meter lang und 22 Meter breit. Seit Anfang 2013 befuhr es die Strecke zwischen Inchon und Cheju.

Interpol sagte Südkorea volle Unterstützung zu. Der Chef der Polizeibehörde, Ronald Noble, verwies am Mittwoch in Lyon auf das globale Netzwerk von Experten bei der Identifizierung von Opfern.

Bericht der Zeitung The Korea Herald

Bericht Interpol

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