24. Juni 2014

Flugzeugabsturz im Sauerland: Keine Hoffnung mehr für Piloten

Olsberg (dpa) - Nach dem Absturz eines Flugzeugs bei einer Luftwaffenübung im Sauerland setzen die Ermittler auf die Auswertung der gefundenen Daten-Rekorder. Die sichergestellten Geräte sollen möglichst schnell Erkenntnisse zum Unfallhergang liefern.

Leichenwagen
Am Wrack wurden Leichenteile gefunden. Foto: Matthias Balk
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Trümmerteil
Der Learjet war aus etwa 2500 Metern abgestürzt. Foto: Matthias Balk
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Rauchende Trümmer
An der Absturzstelle direkt am Ortsrand wurden Leichenteile gefunden. Foto: Frm
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Straßensperre
Ein Polizeiwagen sperrt die Strasse nach Elpe. Foto: Jörg Taron
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Absturzstelle
Trümmerteile liegen auf einer Wiese bei Elpe. Foto: Jörg Taron
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Über das Schicksal der beiden Insassen des abgestürzten Learjets gibt es bisher keine endgültige Klarheit. Nach Einschätzung der Polizei sind die beiden ehemaligen Militärpiloten tot. «Wir gehen inzwischen davon aus, dass beide nicht überlebt haben», sagte ein Sprecher am Dienstag in Meschede. Am Wrack waren Leichenteile gefunden worden.

Die an dem Manöver beteiligte Privatmaschine war am Montag in etwa 2500 Metern Höhe mit einem Eurofighter der Luftwaffe kollidiert und kurz hinter der Ortschaft Olsberg-Elpe abgestürzt. «Es handelte sich um eine Art Abfangübung», sagte ein Sprecher der Luftwaffe in Berlin. Dabei sollte sich einer der beiden beteiligten Kampfjets vor das zivile Flugzeug setzen, um es zu führen. So etwas werde per Sichtkontakt und Handzeichen verabredet, erläuterte der Sprecher. Medienberichte, wonach der Crash dann in einer Kurve passiert sein soll, bestätigte er nicht.

Nach der Kollision waren die Eurofighter wieder bei Köln gelandet. Einer der beiden Kampfjets verlor neben Teilen des Triebwerks auch einen Außentank. In einem Schreiben der Luftwaffe an den Verteidigungsausschuss im Deutschen Bundestag heißt es, dass der «Eurofighter an seiner rechten und unteren Seite stark beschädigt» sei. Die Jets seien nicht bewaffnet gewesen, sagte der Sprecher der Luftwaffe.

Die beiden Insassen des Learjets waren Ex-Militärpiloten, wie die Gesellschaft für Flugzieldarstellung (GFD) im schleswig-holsteinischen Hohn mitteilte. Die 50 und 43 Jahre alten Männer hätten gemeinsam mit zwei Eurofightern einen sogenannten Renegade-Einsatz geflogen, sagte GFD-Geschäftsführer Klaus Menzel. Die Männer kamen aus dem nördlichen Schleswig-Holstein.

Der Begriff Renegade stammt aus dem Englischen und steht für Abtrünniger oder Überläufer. «Es passiert jeden Tag, dass ein Flugzeug in den deutschen Luftraum ohne Funkkontakt eintritt und nicht identifiziert werden kann», sagte Menzel. Genau dieser Fall habe trainiert werden sollen. Die GFD ist ein Tochterunternehmen der Airbus Defence and Space. Die Firma fliegt laut Menzel 15 Einsätze täglich für die Bundeswehr.

Einschränkungen für entsprechende Manöver über bewohntem Gebiet gibt es laut Luftwaffe nicht. Tiefflüge in Höhen unter 600 Metern seien aber über größeren Städten und Industrieanlagen verboten. «In erster Linie sucht man sich einen Luftraum aus, in dem nicht viel los», sagte der Sprecher.

Im Hochsauerlandkreis regt sich Widerstand gegen solche Überflüge. Landrat Karl Schneider (CDU) kritisierte in Olsberg die Übungen über bewohntem Gebiet. Er habe bis dato nichts von Manövern in seinem Zuständigkeitsbereich gewusst.

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat nach dem Unglück mit drei Experten federführend die Ermittlungen aufgenommen. Erste Zwischenergebnisse der Daten-Rekorder werde es allerdings erst in vier bis acht Wochen geben, sagte ein BFU-Sprecher. Äußerlich seien die Geräte zerstört, die Mechanik sei aber intakt. In den nächsten Tagen werde zudem der beteiligte Kampfjet auf Spuren untersucht. Außerdem seien die Radaraufzeichnungen der Deutschen Flugsicherung angefordert worden.

Gegen die Piloten der zwei Bundeswehr-Kampfjets wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Arnsberg wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Falls ein technisches Problem für den Absturz verantwortlich sein sollte, könnten sich die Ermittlungen beispielsweise auch gegen Bodenpersonal richten, sagte ein Sprecher.

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