Messerattacke in Hamburg
29. Juli 2017

Innensenator: Attentäter war Sicherheitsbehörden bekannt

Ein Mann sticht in einem Hamburger Supermarkt wahllos auf Kunden ein. Ein Mensch stirbt, mehrere werden verletzt. Der mutmaßliche Täter war für die Behörden kein Unbekannter.

Hamburg (dpa) - Der mutmaßliche Messer-Angreifer von Hamburg ist den Sicherheitsbehörden als Islamist bekannt gewesen. Es habe Anzeichen für eine Radikalisierung gegeben, sagte Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD).

Der Mann sei als Islamist in die entsprechenden Dateien aufgenommen worden, nicht aber als Dschihadist. Man sei nicht zu der «Einschätzung einer unmittelbaren Gefährlichkeit» gelangt.

Bei dem Mann gebe es einerseits Hinweise auf religiöse Beweggründe und islamistische Motive, andererseits auch auf eine «psychische Labilität». Die Polizei gehe beim Tatmotiv von einer Gemengelage aus und wisse noch nicht, was letztlich den Ausschlag für den Messerangriff gegeben habe.

«Solchen Anschlägen in dieser Begehungsform wohnt immer ein hohes Maß an Unberechenbarkeit inne, weil es eine in gewisser Weise willkürliche Tat ist - mit primitivsten Mitteln, an einem fast beliebigen Ort ausgeführt», sagte Grote.

Derzeit gebe es keine Hinweise auf Hintermänner oder eine Einbindung des Täters in ein Netzwerk. Hierzu seien aber weitere Ermittlungen nötig. «Wir gehen im Moment von einem Einzeltäter, einem zumindest psychisch labilen Einzeltäter aus.» Es müsse nun aber geprüft werden, ob die Sicherheitsbehörden allen Hinweisen immer in angemessener Weise nachgegangen seien. Die Polizei durchsuchte nach der Messerattacke eine Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Langenhorn.

Der 26-Jährige hatte am Freitag im Stadtteil Barmbek unvermittelt auf Menschen eingestochen. Ein 50-Jähriger starb. Laut Grote gab es sieben weitere Opfer, die zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden. Alle Verletzten seien inzwischen aber außer Lebensgefahr.

Kathrin Hennings von der Hamburger Polizei schilderte, dass der Mann in dem Supermarkt ein Messer genommen, aus der Verpackung gerissen und auf Anwesende eingestochen habe. Er ist offenbar nicht vorbestraft. Ein Diebstahlverfahren wurde den Angaben zufolge wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Gegen den Angreifer soll wegen Mordes und fünffachen versuchten Mordes ein Haftbefehl beantragt werden. Ob dies aber letztlich geschehe, sei wegen der psychischen Auffälligkeiten des Mannes noch offen, sagte Jörg Fröhlich von der Staatsanwaltschaft Hamburg. Der Generalbundesanwalt behalte sich vor, den Fall zu übernehmen.

Der Mann war nach Behördenangaben ein abgelehnter Asylbewerber und hätte demnächst ausreisen sollen. Der Täter sei ausreisepflichtig gewesen und habe sich im Ausreiseverfahren befunden, sagte Grote. Der Mann habe gegen seinen negativen Asylbescheid keine Rechtsmittel eingelegt und auch bei der Organisation von Passersatzpapieren mitgewirkt.

Noch am Freitag habe sich der Mann, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten geboren wurde und der Volksgruppe der Palästinenser angehörte, bei der Ausländerbehörde erkundigt, ob seine Passersatzpapiere eingetroffen seien. «Es war damit zu rechnen, dass diese Papiere demnächst eintreffen würden», sagte Grote. Der 26-Jährige sei auch willens gewesen auszureisen. Hamburgs Polizeipräsident Ralf Meyer sagte, der Mann sei in dieser Hinsicht eine «fast vorbildhafte Person» gewesen.

Der Hamburger Innenstaatsrat Bernd Krösser erklärte, der mutmaßliche Angreifer sei 2015 nach Deutschland eingereist. Zuvor habe er Stationen in anderen europäischen Ländern gehabt: in Norwegen, Schweden und Spanien. Über Norwegen sei der Mann im März 2015 nach Deutschland gekommen, zunächst nach Dortmund. Von dort aus sei er im klassischen Asylverteilungsverfahren nach Hamburg weitergeleitet worden. Hier sei er im gleichen Monat eingetroffen und habe schließlich im Mai 2015 einen Asylantrag gestellt.

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