19. Juni 2014

Mutmaßlicher Vergewaltiger zu Tode geprügelt

Neuenburg (dpa) - Tödliche Selbstjustiz: Angehörige und Bekannte eines Vergewaltigungsopfers haben den mutmaßlichen Täter auf einem Pendlerparkplatz in Südbaden an der Grenze zu Frankreich erschlagen.

Tatort
Auf diesem Parkplatz prügeln mehrere Menschen einen Mann zu Tode. Er soll vor wenigen Tagen eine Frau vergewaltigt haben. Foto: Patrick Seeger
dpa

«Auf den Tatverdächtigen wurde mit massiver körperlicher Gewalt eingewirkt», sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag. Französische Rettungskräfte hätten am Mittwochabend nach 18 Uhr noch versucht, den 27-Jährigen wiederzubeleben. Der Mann starb aber noch auf dem Parkplatz in Neuenburg am Rhein an einem Grenzübergang nach Frankreich.

Die Kriminalpolizei gründete unverzüglich eine Ermittlungsgruppe und fahndete nach den Schlägern. Polizisten konnten noch in der Nacht vier Tatverdächtige festnehmen, wie die Sprecherin sagte. Diese sollten noch am Donnerstag verhört und dem Haftrichter vorgeführt werden. Zur Identität der Beteiligten machte sie keine Angaben und kündigte weitere Informationen für Freitag an. Um 11.00 Uhr wollen Polizei und Staatsanwaltschaft bei einer Pressekonfernz die Öffentlichkeit informieren.

Unklar sei noch, wer von den beschuldigten Männern - zwei Angehörige der Frau und zwei Bekannte der Familie - direkt an der Prügelattacke beteiligt war. Geklärt werden müsse außerdem, ob sie zufällig auf den 27-Jährigen trafen oder ihn gezielt verfolgt hatten. Daher wollte die Sprecherin zunächst auch nicht den Begriff der «Lynchjustiz» verwenden.

Der Getötete soll die junge Frau aus dem Markgräflerland im äußersten Südwesten Deutschlands am 12. Juni in Müllheim vergewaltigt haben. Die beiden kannten sich zwar, wie die Sprecherin sagte, eng sei das Verhältnis aber nicht gewesen.

Wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung war gegen den 27-Jährigen auf Antrag der Staatsanwaltschaft Freiburg ein Haftbefehl erlassen worden. Der Mann sei seit der Tat aber auf der Flucht gewesen.

Um das Geschehen auf dem Pendlerparkplatz in der 12 000-Einwohner-Stadt zu klären, wollten die Ermittler auch Spuren auswerten. Zudem baten sie Zeugen, sich bei der Polizei zu melden. Am Donnerstag war noch ein Teil des Geländes abgesperrt.

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