13. März 2015

Oscar Pistorius muss sich wieder wegen Mordes verantworten

Johannesburg (dpa) - Der Mordprozess gegen Südafrikas Ex-Sportstar Oscar Pistorius wird wieder aufgerollt. Auf den beinamputierten Sprinter kommt ein Berufungsverfahren zu. Er war vor einem halben Jahr wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft will nun eine Verurteilung wegen Mordes erreichen - dann würde Pistorius ein deutlich höheres Strafmaß drohen. Die Anwälte des 28-Jährigen versuchten, eine neue Verhandlung zu verhindern. Aber Richterin Thokozile Masipa wies ihre Einwände als nicht ausreichend zurück.

Pistorius hatte seine Freundin Reeva Steenkamp am Valentinstag 2013 mit vier Schüssen durch eine geschlossene Badezimmertür getötet. Der heute 28-Jährige beteuert, er habe einen Einbrecher im Haus vermutet.

Das Berufungsverfahren wird vor einem höheren Gericht in Bloemfontein verhandelt werden, voraussichtlich in den kommenden Monaten. Dabei werden keine neuen Zeugen gehört werden, sondern nur die Prozessunterlagen der ersten Instanz überprüft. Sollten die Richter Pistorius des Mordes für schuldig befinden, können sie auch ein neues Strafmaß verhängen. Auf Mord stehen mindestens 15 Jahre.

Mit der bisherigen Strafe von fünf Jahren könnte der frühere Star schon nach zehn Monaten aus dem Gefängnis entlassen und unter Hausarrest gestellt werden. Das könnte bereits im August passieren - möglicherweise sogar vor dem letztinstanzlichen Urteil.

Richterin Masipa hatte eine Berufung bereits im Dezember zugelassen, die Verteidigung versuchte diese jedoch mit verfahrensrechtlichen Argumenten zu verhindern. Masipa sagte, sie könne dem Antrag der Verteidigung nicht stattgeben, da sie damit ihre eigene Entscheidung widerrufen würde.

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich erfreut. «Das Gericht konnte nicht seine eigenen Worte zurücknehmen», sagte Sprecher Velekhaya Mgobhozi. Die Familie von Reeva Steenkamp hielt sich hingegen bedeckt. Eine Sprecherin sagte, man nehme die Gerichtsentscheidung zur Kenntnis. Die Anwälte des 28-Jährigen waren nach der Anhörung nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Pistorius wurden als Kind wegen eines Gendefekts beide Beine unterhalb der Knie amputiert. Doch mit Hilfe von Hightech-Prothesen machte er bei Paralympics und auch bei den Olympischen Spielen 2012 in London Furore und wurde ein südafrikanischer Nationalheld - bis zur Nacht vom Valentinstag 2013.

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