23. September 2014

Israel tötet mutmaßliche Entführer dreier Jugendlicher

Hebron/Kairo (dpa) - Drei Monate nach der Ermordung dreier israelischer Jugendlicher im Westjordanland hat Israels Armee die beiden mutmaßlichen Täter getötet. Marwan Kawasme und Amer Abu Aischa seien bei einem Schusswechsel mit dem Militär ums Leben gekommen, sagte Armeesprecher Peter Lerner.

Israelische Luftangriffe auf Gaza
Auf die Entführung dreier israelischer Jugendlicher folgten massive israelische Luftschläge auf den Gazastreifen. Foto: Abir Sulat
dpa

Nach palästinensischen Medienberichten wurden ihre Leichen dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz übergeben. Die Entführung und Tötung der Jugendlichen und der darauffolgende Rachemord an einem palästinensischen Teenager gelten als ein Auslöser des jüngsten Gaza-Kriegs.

Knapp einen Monat nach Ende des Kriegs traf eine israelische Delegation für neue Gespräche über eine langfristige Lösung des Gazakonflikts in Kairo ein. Vertreter der palästinensischen Fatah waren bereits am Montagabend angereist.

Die Beilegung des mit 50 Tagen bislang längsten Krieges im Gazastreifen hatte Ägypten in indirekten Gesprächen zwischen Israel und den Palästinensern vermittelt. Beide Seiten hielten die Waffenruhe bislang weitgehend ein.

An den Gesprächen in Kairo sind auch Repräsentanten der radikal-islamischen Hamas beteiligt. Es soll um Streitpunkte wie die Öffnung der Grenzübergänge zum Gazastreifen und die Freilassung von Häftlingen gehen. Nach den Berichten über die Tötung der beiden Palästinenser in Hebron beriet die palästinensische Delegation zunächst über das weitere Vorgehen.

Lerner sagte, Spezialkräfte hätten im Gebiet von Hebron im Westjordanland versucht, die Verdächtigen zu verhaften. Die Palästinenser hätten aber das Feuer eröffnet und die Soldaten hätten zurückgeschossen. Dabei seien die Männer umgekommen.

Der israelische Ministerpräsiden Benjamin Netanjahu lobte den Einsatz und sagte, es sei Gerechtigkeit geschehen. «Wir werden den Terror weiterhin überall bekämpfen», sagte er. Die drei israelischen Teenager Gilad Schaer, Naftali Frankel und Ejal Jifrach waren Mitte Juni auf dem Heimweg von ihrer Talmud-Schule bei Hebron verschwunden. Ende Juni gab der israelische Geheimdienst bekannt, Marwan Kawasme und Amer Abu Aischa seien als die mutmaßlichen Entführer identifiziert. Wenige Tage später wurden die Leichen der drei Jugendlichen nahe Hebron gefunden.

Die Verdächtigten waren seit der Entführung auf der Flucht. Lerner sagte, man habe ihren Aufenthaltsort vor ungefähr einer Woche bestimmt. Bei dem Einsatz seien auch drei Mitglieder der Familie Kawasme festgenommen worden.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas kündigte unterdessen in New York an, er wolle diese Woche einen neuen Zeitplan für Friedensverhandlungen mit Israel vorlegen. «Ich sage heute zu Ministerpräsident (Benjamin) Netanjahu, beenden Sie die Besatzung, machen Sie Frieden», sagte er am Montagabend (Ortszeit). Abbas soll am Freitag vor der UN-Vollversammlung sprechen. US-Außenminister John Kerry hatte lange zwischen Israel und den Palästinensern vermittelt. Die Verhandlungen waren im April gescheitert.

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