16. April 2014

Nigerias Polizei sucht nach 100 entführten Schülerinnen

Abuja (dpa) - In Nordnigeria fahndet eine Suchmannschaft der Polizei mit Hochdruck nach rund 100 vermutlich von militanten Islamisten entführten Schülerinnen. Sicherheitsbeamte sagten der Nachrichtenagentur dpa, es gebe Hinweise aus der Bevölkerung, wo die Täter mit ihren Opfern hingefahren sein könnten.

Goodluck Jonathan
Nigerias Präsident Goodluck Jonathan wirkt machtlos in seinem Kampf gegen die Extremisten von Boko Haram. Kritiker fordern, die Regierung müsse härter durchgreifen. Foto: Julien Warnand
dpa

«Wir haben einige sehr nützliche Infos bekommen. Viele Leute sind besorgt, weil die Zahl solcher Verschleppungen immer mehr zunimmt», hieß es.

Bei den Angreifern soll es sich um Mitglieder der radikalislamischen Sekte Boko Haram handeln. Sie waren am Montagabend in dem Dorf Chibok im Bundesstaat Borno in eine Schule eingedrungen und hatten die Dorfbevölkerung stundenlang terrorisiert. Später verschleppten sie zahlreiche Mädchen auf Lastwagen. Einigen von ihnen gelang es, abzuspringen und sich im umliegenden Busch zu verstecken. Polizeiangaben zufolge nahmen die Täter aber über 100 Mädchen mit.

«Sieben Kinder aus meiner Familie werden vermisst, darunter meine eigenen Töchter und die meines Bruders und meiner Schwester», sagte ein Mann, der anonym bleiben wollte, der Zeitung «Vanguard». «Ich weiß nicht, ob sie entführt wurden, oder ob sie unter denjenigen sind, die in den Busch fliehen konnten.»

Auf das Konto der Islamisten, die im Norden Nigerias einen Gottesstaat errichten wollen, sollen mehrere ähnliche Entführungen kommen. Manchmal wurden auch verheiratete Frauen gekidnappt. Normalerweise wird kein Lösegeld verlangt - vielmehr sähen die Extremisten die verschleppten Mädchen als «Kriegsbeute», erklärte ein Experte in Nigeria. Häufig würden sie als Sexsklavinnen missbraucht. Zeugen im nordwestlichen Bundestaat Zamfara sagten, manchmal würden die Frauen später hochschwanger zurückgebracht, damit sie ihre Kinder in ihren Dörfern bekommen könnten.

Die Islamisten sollen auch für den verheerenden Anschlag auf einen Busbahnhof in der Hauptstadt Abuja verantwortlich sein. Dabei waren am Montag vermutlich weit über 200 Menschen ums Leben gekommen, auch wenn die Behörden offiziell von 71 Opfern sprechen. Zahlreiche Parlamentarier forderten am Mittwoch, die Grenzen nach Kamerun und Niger zu schließen.

Aus den beiden Nachbarstaaten werden die Extremisten offenbar mit Waffen versorgt. Bürger in grenznahen Dörfern hatten zuvor berichtet, manchmal tauchten Helikopter in der Region auf. Sie würden über den Wäldern, in denen sich die Boko-Haram-Mitglieder verstecken, Vorräte und Waffen abwerfen.

Die islamische Sekte verübt seit Jahren schwere Anschläge vor allem im Norden des Landes. Allein seit Jahresbeginn sollen 1500 Menschen gestorben sein. Oft sind Kirchen und Polizeieinrichtungen Ziel der Attacken. Der Name der Gruppe bedeutet übersetzt so viel wie «westliche Erziehung ist verboten».

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