30. Dezember 2014

Experte warnt vor veralteten Programmiersprachen

Hamburg (dpa) - Programmierer müssen aus Expertensicht mehr auf die Sicherheit ihrer Software und Geräte achten.

Chaos Communication Congress 31C3
Wie können Computerprogramme sicherer gemacht werden? Und funktioniert der Anonymisierungs-Dienst Tor noch? Diese Themen bestimmen den letzten Tag des größten Hacker-Treffens in Europa. Foto: Malte Christians
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Auf dem größten Hackertreffen Europas, dem Chaos Communication Congress 31C3 in Hamburg, warb Peter Sewell von der Universität Cambridge dafür, Programme und Bestandteile von Rechnern rigoros zu prüfen. «Unsere Grundlage, um Systeme zu entwickeln, ist Versuch und Irrtum», kritisierte er am Dienstag in seinem Vortrag.

Software findet sich in Autos, Raketen und Smartphones. Doch moderne Systeme werden immer komplexer, mit Millionen Zeilen Programmiercode, wie Sewell erklärte. Dafür würden oft veraltete Programmiersprachen verwendet, was die Fehlerquote in die Höhe treibe, sagte Sewell. Programmierer sollten modernere Sprachen verwenden, um ihren Code zu schreiben, und auf geprüfte Bauteile für Rechner zurückgreifen.

Die Betreiber des Anonymisierungs-Netzwerks Tor warben in Hamburg dafür, ihren Dienst zu nutzen - obwohl der US-Geheimdienst NSA Medienberichten zufolge beobachtet, welche Nutzer sich in das Netzwerk einwählen. Der Geheimdienst sehe nur, wer Tor nutze, nicht was diese Personen im Internet machten. «Sie wissen etwas über euch, aber sie wissen nicht alles, was ihr im Internet macht», sagte Jacob Appelbaum vom Tor-Project. «Die Schlussfolgerung ist nicht, Tor nicht zu nutzen.»

Tor verschleiert die Spuren von Internetnutzern, indem ihre Anfragen durch ein Netz aus Rechnern geleitet werden. Innerhalb des Netzwerkes gibt es zudem sogenannte Hidden Services, versteckte Dienste, die nur über Tor erreichbar sind. Darüber werden nach Angaben der Polizei unter anderem Drogen gehandelt. «Hidden Services haben einen wirklich schlechten Ruf», räumte Appelbaum ein. Doch sie seien wichtig, damit Menschen komplett anonym im Internet veröffentlichen könnten.

Tor bezieht einen Großteil seiner Finanzierung von der US-Regierung, darunter auch vom US-Verteidigungsministerium. Dafür wird das Netzwerk immer wieder kritisiert. «Ich würde unsere Finanzierung liebend gern vielfältiger gestalten», sagte Roger Dingledine vom Tor-Project. Konkrete Pläne nannte er am Dienstag aber nicht.

Der Kongress mit mehreren Tausend Besuchern sollte am Abend nach vier Tagen zu Ende gehen.

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