Weil oder Althusmann?
10. Oktober 2017

Kein klarer Sieger beim TV-Duell zur Niedersachsen-Wahl

Weil oder Althusmann? Nach dem TV-Duell in Niedersachsen sind Politiker und Experten unterschiedlicher Meinung, wer denn nun stärker gepunktet hat. Was positiv auffiel: Es ging mehr zur Sache als beim Kanzlerduell vor der Bundestagswahl.

Hannover (dpa) - Nach dem Fernseh-Duell zwischen Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und seinem Herausforderer Bernd Althusmann (CDU) sind Politiker und Medienexperten uneins über den Ausgang.

Die beiden Kontrahenten hatten sich wenige Tage vor der Landtagswahl im NDR einen harten Schlagabtausch geliefert. Weil habe im Gespräch meist mit dem Moderator gesprochen - Althusmann dagegen sei Weil direkt angegangen, sagte der Medienexperte Joachim Trebbe von der Freien Universität Berlin. «Er kam konfrontativer und auch ein bisschen arrogant rüber, Weil dagegen kompetenter.» Wer die Nase letztlich vorne hatte? «Das ist sehr schwer zu sagen; vom Gefühl her würde ich vermuten, dass Althusmann einen hauchdünnen Vorsprung hatte.»

Anders sieht dies der Professor für Journalistik an der Hochschule Hannover, Wilfried Köpke. «Diesmal würde ich doch sagen, Weil lag in der Performance deutlich vorne.» Das könne man festmachen an den Punkten Körpersprache, der hohen Verbindlichkeit und der Faktenstärke. «Er wirkte nicht wie ein Getriebener. Er wirkte wie einer, der kämpfen mag.» Bei Althusmann habe man den Eindruck gehabt, er muss jetzt kämpfen. Weil sei positiv von sich überzeugt und Althusmann mehr auf Angriff getaktet gewesen, habe dies aber verbal teils wieder zurückgenommen.

Zu unterschiedlichen Bewertungen kamen auch Vertreter der kleineren Parteien in Niedersachsen. «Ich fand das Duell viel spannender als Schulz und Merkel - endlich mal richtige Kontrahenten», sagte die Spitzenkandidatin der Grünen für die Landtagswahl, Anja Piel. Nach ihrem Eindruck sei Weil an vielen Punkten aussagekräftiger gewesen, während Althusmann luftig blieb.

Auch die niedersächsische Spitzenkandidatin der AfD, Dana Guth, sprach von einem spannenden Auftritt. «Eine echte Lösung habe ich aber bei keinem von beiden gesehen.»

Niedersachsens FDP-Landeschef und Spitzenkandidat Stefan Birkner fand das TV-Duell vom Gesamteindruck her ausgeglichen. «Für mich gibt's da keinen eindeutigen Sieger.» Persönlich habe er Bernd Althusmann einen kleinen Tick souveräner empfunden, da er mehr Gelassenheit ausgestrahlt habe. «Stephan Weil machte da eher einen kiebigen, einen angefassten Eindruck.» Birkner bezweifelte allerdings, ob Unentschlossene nach der TV-Debatte eine klarere Entscheidungsgrundlage haben.

«Insgesamt wirkte Weil souveräner, nur beim Thema VW hat er ziemlich rumgeeiert», sagte Hans-Henning Adler, der für die Linke auf Platz zwei kandidiert. Althusmann hatte bei dem Duell gefordert, Weil solle sich von der Option einer rot-rot-grünen Koalition distanzieren. Der SPD-Politiker hatte entgegnet, er wolle sich mit der Linken politisch auseinandersetzen. «Auch wir wollen eine politische Auseinandersetzung, das schließt eine Koalition ja nicht aus», sagte Adler dazu.

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