08. November 2014

Merkel: Berlin schrieb Geschichte

Berlin (dpa) - Fröhlich, entspannt, gelassen: Berlin feiert den Mauerfall vor 25 Jahren. Bei herrlichem Wetter waren am Samstag Hunderttausende Menschen aus aller Welt in der einst geteilten Stadt unterwegs, um sich an die historischen Ereignisse vom 9. November 1989 zu erinnern.

Angela Merkel
Nicht in Berlin, sondern bei einer Kurzvisite in Wismar: Bundeskanzlerin Angela Merkel beim CDU-Landesparteitag vor einem großformatigen Foto von der Maueröffnung. Foto: Jens Büttner
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Zum Jahrestag
Hunderttausende Menschen sind in Berlin unterwegs. Sie flanieren, diskutieren, erinnern sich. Foto: Jens Kalaene
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Staatsgröße
Michail Gorbatschow kommt umringt von Medienvertretern zum Symposium "New Policy Forum" gegen den Kalten Krieg in das Allianz-Forum am Brandenburger Tor. Foto: Jens Kalaene
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Michail Gorbatschow
Der frühere sowjetische Staatspräsident Gorbatschow am Pariser Platz: Er nimmt an einem Symposium gegen den Kalten Krieg teil, das zum 25. Jahrestag des Mauerfalls stattfindet. Foto: Jens Kalaene
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Mit der Kamera festhalten
Ein Mann fotografiert die beleuchteten Ballonstelen entlang des ehemaligen Verlaufs der Berliner Mauer am Checkpoint Charlie. Jens Kalaene Foto: Jens Kalaene
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Hauptattraktion ist die Lichtinstallation, die den Verlauf der Mauer nachzeichnet. Die knapp 7000 Ballons sollen am Sonntagabend in den Himmel aufsteigen und so die symbolische Grenze wieder auflösen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ging auf die historische Bedeutung der Ereignisse des 9. November 1989 in Berlin ein: «Diese Stadt hat Geschichte geschrieben», sagte die aus der einstigen DDR stammende CDU-Politikerin am Samstagabend in der Neuen Nationalgalerie. «Der menschliche Drang nach Freiheit lässt sich nicht auf Dauer unterdrücken», betonte sie bei der Eröffnung der «Falling Walls Conference», einer internationalen Wissenschaftstagung.

«Es braucht Mut, Freiheit zu erkämpfen, und es braucht Mut, Freiheit zu nutzen», so Merkel. Berlin habe nicht nur das Bild Deutschlands geprägt, sondern sei auch «fast ein Symbol für die Vereinigung Europas nach dem Kalten Krieg», sagte die Kanzlerin in ihrer wöchentlichen Video-Botschaft.

Politisch jedoch fiel auch ein Schatten auf die Feierlichkeiten. Der frühere sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow erhob bei einer Veranstaltung der «Cinema For Peace Foundation» in Berlin schwere Vorwürfe gegen den Westen. Mit Blick auf den Ukraine-Konflikt sagte er: «Die Welt ist an der Schwelle zu einem neuen Kalten Krieg. Manche sagen, er hat schon begonnen.» In den vergangenen Monaten habe sich ein «Zusammenbruch des Vertrauens» vollzogen.

Der Friedensnobelpreisträger, der als einer der Väter der deutschen Einheit gilt, warf dem Westen und insbesondere den USA vor, ihre Versprechen nach der Wende 1989 nicht gehalten zu haben. Stattdessen habe man sich zum Sieger im Kalten Krieg erklärt und Vorteile aus Russlands Schwäche gezogen.

Die Vertrauenskrise belaste auch die Beziehungen zu Deutschland. «Lasst uns daran erinnern, dass es ohne deutsch-russische Partnerschaft keine Sicherheit in Europa geben kann.» Gorbatschow trifft am Montag mit Merkel zusammen.

Die Linke verurteilte zum 25. Jahrestag des Mauerfalls das «staatliche Unrecht» in der DDR und erneuerte damit eine Entschuldigung ihrer Vorgängerpartei PDS aus dem Jahr 1990. Die Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger sowie Bundestags-Fraktionschef Gregor Gysi veröffentlichten am Samstag eine entsprechende Erklärung.

Darin räumen sie ein, dass die DDR ein Staat gewesen sei, «in dem die politische Willkür jederzeit Recht und Gerechtigkeit ersetzen konnte, in dem Zehntausende Biografien durch staatliches Unrecht gebrochen und zerstört wurden». Dafür habe die DDR-Staatspartei SED die Hauptverantwortung getragen.

Merkel bezeichnete die immer wieder aufflackernde Diskussion, ob die DDR ein Unrechtsstaat war, als «beklemmend». «Die DDR war ein Unrechtsstaat», betonte die Kanzlerin in Wismar bei einem Landesparteitag der CDU Mecklenburg-Vorpommerns.

Die Lichtinstallation, die seit Freitagabend in Berlin den Verlauf der Mauer nachzeichnet, lockte schon zum Auftakt zahllose Besucher an. In der Nacht zum Samstag flanierten Einheimische und Touristen in Scharen an leuchtenden Ballons vorbei, tagsüber setzte sich der Zug der Schaulustigen fort. Allerdings gingen eine Reihe von Ballons kaputt, sie mussten erneuert werden.

Veranstaltungen und Informationen zum Mauerfall in Berlin

Informationen Gedenkstätte Berliner Mauer

Veranstaltungshinweise und Materialsammlung zum Mauerfall

Bundeszentrale für Politische Bildung zum Mauerfall

Chronologie der Bundesregierung zur Deutschen Einheit

Bundesregierung zur Deutschen Einheit

Twitterprojekt Mauerfall

Mauer-Gedenkstätte

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