22. Juni 2012

Breivik droht mit neuem Terror und will Freispruch

Oslo (dpa) - Der norwegische Islamhasser Anders Behring Breivik hat seine zwei Anschläge mit 77 Toten als «barbarisch», aber gerechtfertigt bezeichnet. In seiner Schlusserklärung vor dem Osloer Gericht verlangte der 33-Jährige, dass er freigesprochen wird.

In Begleitschutz
In Begleitschutz: Breivik auf dem Weg ins Gericht. Foto: Heiko Junge
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Medienandrang
Medienandrang zum Prozess gegen Anders Behring Breivik. Foto: Heiko Junge
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Richterin Arntzen
Richterin Wenche Elizabeth Arntzen im wohl schwierigsten Prozess ihres Lebens. Foto: Heiko Junge
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Breivik-Anwalt
Breivik-Anwalt Geir Lippestad studiert seine Akten im Gericht. Foto:Lise Aserud
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Anders Behring Breivik trial
Anhaltende Trauer für die Breivik-Opfer: Im Stadtzentrum von Oslo, genau an der Stelle, wo eine Bombe explodierte, ist eine Rose angebracht. Für die Norweger ist die Katastrophe mit insgesamt 77 Toten, das schlimmste Unglück seit dem Zweiten Weltkrieg. Foto: Kyree Lien
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Er sagte über seine Anschläge mit einer Autobombe in Oslo und dem Massaker auf der Insel Utøya am 22. Juli 2011: «Ich habe für mein Volk, meine Religion und mein Land gehandelt.»

Für den Fall eines Schuldspruchs will Breivik unbedingt als zurechnungsfähig verurteilt werden. Er sagte: «35 von 37 hoch qualifizierten Leuten, die sich mit mir befasst haben, haben keine mentalen Störungen festgestellt.»

Zu den politischen Motiven für die Autobombe im Osloer Regierungsviertel mit acht Toten und das Massaker auf der Insel Utøya, bei dem er 69 Menschen tötete, sagte Breivik: «Es gibt einen fundamentalen Bedarf an neuer Führung in Norwegen und Europa.»

In seinem Land hätten die regierenden Sozialdemokraten ein «multikulturalistisches Experiment» gestartet und nach britischem Vorbild asiatische sowie afrikanische Massenzuwanderung in Gang gesetzt. Breivik nannte auch die «Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten und die sexuelle Revolution». Als Ideal würden heute TV-Serien wie «Sex and the City» herausgehoben, in denen weibliche Hauptfiguren Sex mit «Hunderten Männern» hätten.

Breivik nannte als Beispiel für eine «kollektive kulturelle Psychose» in seinem Land, dass Norwegen sich beim Eurovision Song Contest von «einem Asylbewerber als Botschafter» vertreten lasse. Über mögliche weitere Anschläge in seinem Sinne sagte er: «Meine Brüder in den norwegischen und europäischen Widerstandsbewegungen verfolgen diese Sache hier sehr genau, während sie neue Angriffe vorbereiten. Sie können bewerkstelligen, dass dabei bis zu 40 000 Menschen sterben.»

Zum Auftakt von Breiviks Schlussrede verließen zahlreiche Zuhörer aus Protest den Gerichtssaal. Viele von ihnen gehörten zu den Überlebenden und Hinterbliebenen der Opfer von Breiviks Anschlägen.

Gerichtsinfos zum Breivik-Fall, Norwegisch

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