02. März 2013

Krawalle bei Kerry-Besuch in Ägypten

Kairo (dpa) - Krawalle und Proteste haben den ersten Besuch von US-Außenminister John Kerry in Ägypten überschattet. Nachdem mehrere Oppositionelle eine Einladung zu einem Gespräch mit ihm ausgeschlagen hatten, demonstrierten einige Dutzend Anhänger linker und liberaler Parteien vor dem Außenministerium in Kairo.

Protest
Demonstranten protestieren vor dem Außenministerium im Kairo gegen die Visite von John Kerry. Foto: Khaled Elfiqi
dpa

Sie hielten Plakate mit Slogans wie «Kerry, du bist hier nicht willkommen» und «Kerry raus, raus, diese Revolution bleibt frei».

In den Provinzstädten Port Said und Mansura wurden bei Straßenschlachten zwischen den Sicherheitskräften und Demonstranten Dutzende Menschen verletzt. In Mansura starb in der Nacht zum Samstag ein Zivilist, nachdem er während einer Straßenschlacht vor dem Gouverneursgebäude von einem Polizeitransporter überfahren worden war. Nach seinem Begräbnis kam es am Abend erneut zu Ausschreitungen. In Port Said setzten Demonstranten ein Gebäude der Polizei in Brand.

Der linke Oppositionspolitiker Hamdien Sabahi schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: «Was in Mansura geschieht, ist eine Prüfung für die Würde jedes Ägypters.» Der ehemalige Präsidentschaftskandidat hatte es ebenso wie Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei abgelehnt, Kerry zu treffen. Der frühere Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, der wie die beiden anderen Oppositionellen der Nationalen Rettungsfront angehört, kam dagegen mit dem US-Außenminister zusammen. Nach Angaben ägyptischer Medien sprachen sie auch über Ägyptens Wirtschaftsprobleme.

Die säkulare Opposition wirft der US-Regierung vor, sie unterstütze die regierenden Muslimbrüder, obwohl diese die Spielregeln der Demokratie missachteten. Die Opposition hat zu einem Boykott der Parlamentswahlen aufgerufen, die am 22. April beginnen sollen. Deshalb werden diesmal fast nur islamistische Parteien um Sitze im Parlament konkurrieren. Kerry sagte vor der Presse in Kairo, Ziel der US-Politik sei es, die Demokratie in Ägypten zu unterstützen, nicht sich in die inneren Angelegenheiten einzumischen.

Für Kerrys Schutz wurden auf der Straße zum Flughafen Kairo Hunderte Polizisten in Zivil aufgeboten. Die US-Botschaft bleibt aus Sicherheitsgründen an diesem Sonntag geschlossen, nachdem einige Oppositionsgruppen Proteste gegen Kerrys Besuch angekündigt hatten. Vor seiner Abreise am Sonntag trifft der US-Minister auch den aus der Musimbruderschaft stammenden Präsidenten Mohammed Mursi. Nach Ägypten will Kerry noch mehrere arabische Golfstaaten besuchen.

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