20. Januar 2013

Mursi verspricht: Ägypten wird kein Gottesstaat

Istanbul/Frankfurt (dpa) - Ägyptens islamistischer Präsident Mohammed Mursi will nach eigenen Angaben keinen Gottesstaat errichten. In einem Interview mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» versicherte der aus der Muslimbruderschaft stammende Staatschef: «Wir glauben nicht an einen Gottesstaat.»

Wütende Mursi-Anhänger
Wütende Mursi-Anhänger bei der Beerdigung eines Muslimbruders, der bei gewalttätigen Auseinandersetzungen in Kairo ums Leben kam. Foto: Khaled Elfiqi/Archiv
dpa

Er betonte: «Der Staat, an den wir glauben, ist ein moderner Staat, in der die Machtübergabe friedlich verläuft, in der Demokratie und Freiheiten herrschen, in der die Opposition und soziale Gerechtigkeit respektiert werden.»

Alle Ägypter seien vor dem Gesetz gleich, fügte Mursi hinzu. «Sie haben die gleichen Rechte und Pflichten, unabhängig von ihrem Glauben und ihrer Religion.» Die Freiheiten für alle seien auch in der neuen Verfassung festgeschrieben. Männer und Frauen seien dabei «zu hundert Prozent gleich».

In Ägypten gibt es seit Ende Dezember eine neue Verfassung, die die Rolle der Religionsgelehrten stärkt. Die ägyptische Opposition befürchtet eine strengere Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia. Kritiker sehen darin den ersten Schritt zu einem Gottesstaat.

Säkulare Parteien, Menschenrechtler, Frauenrechtlerinnen und die ägyptischen Christen kritisieren, dass die Gleichberechtigung der Frau und der Schutz der Kinder vor Ausbeutung und Zwangsheirat in der Verfassung nicht explizit erwähnt werden.

FAZ-Interview

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