14. Februar 2013

Seoul will Raketenprogramm beschleunigen

Seoul/Peking (dpa) - Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel nehmen zu: Nach dem Atomtest in Nordkorea will Südkorea die Entwicklung neuer Raketen vorantreiben, die das ganze Territorium des Nachbarlandes erreichen können.

Proteste gegen Nordkorea
Demonstranten in Südkorea protestieren gegen den Atomtest in Nordkorea. Foto: Jeon Heon-Kyun
dpa

Die Entwicklung von ballistischen Raketen mit einer Reichweite von 800 Kilometern werde beschleunigt, kündigte das Verteidigungsministerium in Seoul an. US-Präsident Barack Obama kritisierte in seiner Rede zur Lage der Nation am Dienstagabend (Ortszeit) den nordkoreanischen Atomversuch als Provokation. Nordkorea unterstellte den USA erneut eine feindselige Politik und drohte mit noch schärferen Maßnahmen.

Ob «zweite und dritte härtere Maßnahmen ergriffen werden, hängt ganz von der künftigen Option der USA ab», hieß es in einem Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Das kommunistische Land hatte zum dritten Mal nach 2006 und 2009 unterirdisch einen nukleare Sprengladung gezündet und damit die internationale Gemeinschaft gegen sich aufgebracht. Der Test fand wie die beiden ersten Versuche auf dem Testgelände in Punggye-ri im Nordosten des Landes statt. Nach Schätzungen verschiedener Messstellen außerhalb Nordkoreas wurden Erdstöße der Stärke 4,9 bis 5,2 registriert.

Die Bundesregierung bestellte am Mittwoch den Botschafter Nordkoreas ein. Dem Diplomaten sei deutlich gemacht worden, dass es sich bei dem Atomversuch um einen «eklatanten Verstoß gegen internationales Recht» handele, teilte das Auswärtige Amt am Mittwoch mit. Deutschland werde sich deshalb für weitere Maßnahmen gegen das nordkoreanische Atomprogramm einsetzen.

Ähnliches hörte auch der Botschafter Nordkoreas in London. Der britische Außenstaatssekretär Hugo Swire habe dem einbestellten Botschafter am Mittwoch deutlich gemacht, dass Nordkorea zunehmende Isolation und «weitere Schritte» drohten, sollte sich das Land nicht an die internationalen Regeln halten, hieß es.

Der UN-Sicherheitsrat hatte noch am Dienstag, wenige Stunden nach dem Atomtest angekündigt, sofort mit der Arbeit an einer neuen Resolution zu Nordkorea zu beginnen, die angemessene Maßnahmen beinhalten werde.

Der Atomtest sei eine «ernsthafte Bedrohung für den Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und in Nord-Ostasien», sagte der Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums, Kim Min Seok, vor Journalisten in Seoul. Kim bestätigte Angaben des Militärs vom vergangenen Jahr, dass Südkorea bereits neue Marschflugkörper mit einer Reichweite von mehr als 1000 Kilometern stationiert habe. Die USA hatten ihrem Bündnispartner Südkorea in vergangenen Jahr zudem den Bau neuer ballistischer Raketen mit einer Reichweite von 800 Kilometern zugestanden. Davor waren Südkorea nur Raketen mit maximal 300 Kilometern Reichweite erlaubt.

Obama hatte nach dem Atomtest dem südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak zugesagt, dass Südkorea weiter unter dem «atomaren Schutzschirm» der USA stehe. Beide Präsidenten hätten vereinbart, eng zusammenzuarbeiten, um Maßnahmen gegen Nordkoreas Atom- und Raketenprogramme zu ergreifen und das Risiko der Verbreitung von Atomwaffen zu verringern, teilte das Weiße Haus mit.

China drängte unterdessen Südkorea und die USA, sich für die Wiederaufnahme der Mehrparteiengespräche über das Atomprogramm Nordkoreas einzusetzen. Außenminister Yang Jiechi rief seinen US-Kollegen John Kerry in einem Telefonat auf, zu den sogenannten Sechser-Gesprächen (Süd- und Nordkorea, USA, China, Russland, Japan) zurückzukehren, wie das Außenministerium in Peking mitteilte.

Nordkorea hatte den Atomtest und weitere Raketentests im Januar aus Protest gegen die Ausweitung von UN-Sanktionen gegen das Land angekündigt. Mit dem Sanktionsbeschluss hatte der Weltsicherheitsrat Nordkorea wegen eines umstrittenen Raketenstarts im Dezember bestraft. Nordkorea hatte daraufhin die Möglichkeit neuer Verhandlungen über sein Atomprogramm kategorisch ausgeschlossen.

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