09. Mai 2013

Serbien übt ungewöhnliche Selbstkritik

Belgrad (dpa) - Der starke Mann der serbischen Politik, Aleksandar Vucic, hat in einer ungewöhnlichen Selbstkritik mit den Fehlern der Vergangenheit aufgeräumt und ein glühendes Bekenntnis zu Europa abgelegt.

Aleksandar Vucic
Der starke Mann der serbischen Politik, Aleksandar Vucic, hat in einer ungewöhnlichen Selbstkritik mit den Fehlern der Vergangenheit aufgeräumt. Foto: Hannibal/Archiv
dpa

«Wir Serben sind die Einzigen, die den Fall der Berliner Mauer verschlafen haben und die überhaupt nicht die politischen und wirtschaftlichen Prozesse in Europa und in der Welt begriffen haben», schrieb Vucic am Donnerstag in einem Gastbeitrag für die Belgrader Zeitung «Danas».

Unter der Überschrift «Die Serben müssen nach Europa» schrieb der Spitzenpolitiker: «Wir haben in der Vergangenheit und in unserem heroischen Widerstand gegen jede Idee gelebt, die aus der Welt (zu uns) kam.» Weiter heißt es: «Weil wir immer die Schlausten waren, haben wir es geschafft, alle gegen uns gemeinsam aufzubringen.» Vucic kritisierte weiter: «Wir haben uns nur auf unsere Muskeln und die mythische Rhetorik gestützt in der Erwartung von Geschenken vom Himmel.»

«Das schreibt einer von den Politikern, die sich genauso verhalten haben und das daher auch gut versteht», sparte Vucic, früher ein Wortführer des extremen serbischen Nationalismus, nicht mit Selbstkritik. Jetzt aber «können und müssen wir die Gesetze Europas achten, seine Ordnung, seine Regelungen, sein Recht und die Verpflichtungen, die daraus hervorgehen», beschrieb er seine eigene Kehrtwendung und die seines Landes.

Vucic ist Vorsitzender der stärksten Regierungspartei (SNS), stellvertretender Regierungschef, Verteidigungsminister und Koordinator der Geheimdienste.

Beitrag in «Danas», Serbisch

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