22. Juli 2013

Vor Urteil: Mehrheit verteidigt das Rauchen zu Hause

Berlin (dpa) - Noch vor 30 Jahren war das Rauchen allgegenwärtig. In Kneipen, im Uni-Hörsaal und Zugabteilen qualmten viele. Das hat sich geändert. Am Mittwoch steht ein Gericht sogar vor der Frage, ob es auch starkes Rauchen in einer Mietwohnung verbieten soll.

Rauchen
Ein Gericht steht vor der Frage, ob starkes Rauchen in einer Mietwohnung verboten werden darf. Foto: Karl-Josef Hildenbrand
dpa

Eine große Mehrheit der Bundesbürger verteidigt das Rauchen in der Wohnung. In einer repräsentativen Umfrage erklärten 77 Prozent, zu Hause sollte das Rauchen erlaubt bleiben.

Auch unter den Nichtrauchern war eine deutliche Mehrheit dieser Meinung, wie das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa herausfand. Das Rauchen zu Hause zu verbieten, befürworteten dagegen nur 17 Prozent der insgesamt 1020 Befragten.

Das Amtsgericht Düsseldorf verhandelt am Mittwoch über die Klage des Rauchers, dem die Vermieterin wegen seines starken Qualmens die Wohnung gekündigt hatte.

In der Umfrage waren die meisten Menschen auch tolerant, wenn es um das Rauchen unter freiem Himmel geht: 70 Prozent der Befragten sind gegen ein Rauchverbot an öffentlichen Plätzen. Ein Viertel würde ein solches Verbot aber befürworten. Gleichzeitig fühlen sich viele Menschen gestört, wenn etwa neben ihnen im Restaurant geraucht wird. Gut die Hälfte (55 Prozent) stört sich am Qualm in geschlossenen Räumen. Dieser Wert steigt auf 82 Prozent bei Leuten, die noch nie selbst geraucht haben. 41 Prozent aller Befragten fühlen sich von Rauchern am Nachbartisch hingegen nicht gestört.

Zugleich ist eine Mehrheit der Meinung, dass bestehende Rauchverbote die Raucher nicht zu sehr in ihrer Freiheit einschränken (57 Prozent). Nur ein gutes Drittel (39 Prozent) sagt: «Ja, Raucher werden durch das Rauchverbot wie zum Beispiel in Restaurants, Bars und Kneipen zu stark eingeschränkt». Regelmäßige Raucher finden das zu 61 Prozent, Gelegenheitsraucher zu 50 Prozent.

Besonders den Jüngeren machen die bestehenden Rauchverbote wenig aus: 70 Prozent der 18- bis 24-Jährigen stimmen der Aussage zu, dass die Verbote Raucher nicht zu sehr einschränken. Bei den 45- bis 54-Jährigen ist es hingegen mit 53 Prozent nur gut die Hälfte, die dem zustimmt. 45 Prozent in diesem Alter sehen darin eine Beschneidung der individuellen Freiheit der Raucher.

Nur ein knappes Drittel (29 Prozent) gab in der YouGov-Umfrage an, noch nie geraucht zu haben. Ein gutes Drittel (35 Prozent) erklärte, regelmäßig zu rauchen. Alle anderen Befragten sagten, sie seien ehemalige Raucher (26 Prozent) oder würden ab und zu zur Zigarette, Pfeife oder Zigarre greifen (10 Prozent).

Beim Rauchverhalten gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen jüngeren und älteren Menschen. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind gut die Hälfte absolute Nichtraucher (52 Prozent), regelmäßige Raucher sind nur 19 Prozent. In der Altersgruppe der 45 bis 54-Jährigen sagte nur ein Viertel (24 Prozent), dass sie noch nie geraucht haben. Regelmäßige Raucher sind 41 Prozent der Befragten mittleren Alters.

Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov

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