22. Juli 2013

Zwei Jahre nach Utøya: Norwegen gedenkt der Terroropfer

Oslo (dpa) - Zwei Jahre nach den Anschlägen des Rechtsterroristen Anders Behring Breivik in Oslo und auf Utøya hat Norwegen ein Bekenntnis zu einer offenen Gesellschaft abgelegt.

Norwegen gedenkt der Opfer
Norwegens Premierminister Jens Stoltenberg legt in Gedenken an die Opfer von Utøya und Oslo einen Kranz nieder. Foto: Vegard Grott
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Zwei Jahre nach Utøya und Oslo
Die Terroranschläge des Rechtsextremisten Anders Behring Breivik haben Norwegen tief erschüttert. Zum zweiten Jahrestag sind die Wunden noch nicht verheilt. Foto: Britta Pedersen
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Anders Behring Breivik
Anders Behring Breivik tötete Dutzende Menschen - hier verlässt er in einem Polizeiauto ein Gericht in Oslo. Foto: Jon Are Berg Jacobsen/Aftenposte
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Ermittlungen auf Utøya
Die norwegische Polizei ermittelte nach dem Massaker durch Anders Behring Breivik auf der Insel Utøya. Foto: Terje Bendiksby
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Utøya
Auf der norwegischen Insel Utøya hatte der Jugendverband der norwegischen Arbeiterpartei (AUF) sein Sommerlager. Foto: Lasse Tur/Mapaid AS
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Bei einer Gedenkveranstaltung im Regierungsviertel der Hauptstadt sagte der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg: «Wir dürfen unsere Werte, die am 22. Juli angegriffen wurden, nie aufgeben: Humanität, Vielfalt, Solidarität und eine offene Gemeinschaft. Sie sind unsere stärkste Waffe und unsere stärkste Verteidigung gegen Gewalt und Terror.» Breivik tötete 77 Menschen, sein Motiv war Fremdenhass. Dafür wurde der heute 34-Jährige zu 21 Jahren Gefängnis verurteilt.

Am Montag vor zwei Jahren hatte der Norweger im Osloer Regierungsviertel eine Bombe gezündet, die acht Menschen das Leben kostete. Anschließend war er auf die Insel Utøya gefahren und hatte unter den Teilnehmern eines Sommercamps der Jugendorganisation der Arbeiterpartei ein Blutbad angerichtet. 69 überwiegend junge Menschen verloren ihr Leben.

Wenige Tage nach den Anschlägen hatte Ministerpräsident Stoltenberg gesagt: «Unsere Antwort auf den Terror lautet: mehr Offenheit, mehr Demokratie, aber nicht Naivität.» Diese Antwort gelte auch heute noch für ihn, sagte Stoltenberg, bevor er einen Kranz vor dem Gebäude niederlegte, in dem sich einmal sein Arbeitszimmer befand.

Heute, zwei Jahre später, sei das Land besser auf Terrorangriffe vorbereitet, so Stoltenberg weiter. «Wir haben analysiert, gelernt und gehandelt. Wir haben eine bessere Überwachung, mehr Hubschrauber und mehr Polizei.» Aber das sei nicht genug. Genauso wichtig sei es, an den Werten festzuhalten. «Das Gedenken an den 22. Juli als Mittel im Kampf gegen Extremismus und Gewalt zu nutzen, ist die beste Art, die zu ehren, die nicht mehr unter uns sind», so Stoltenberg. «Eine Gesellschaft, die offen ist und zusammenhält, gibt wenig Boden für Extremismus und Gewalt.»

An einem anschließenden Gottesdienst in der Osloer Domkirche nahmen Vertreter der Regierung, des Parlaments und das Kronprinzenpaar Haakon und Mette-Marit teil. Dompröpstin Anne-May Grasaas erinnerte an den Zusammenhalt, den die Anschläge vom 22. Juli 2011 noch bestärkt hätten und das damals täglich anwachsende Blumenmeer vor der Domkirche. John Hestnes von der Unterstützungsgruppe der Opfer mahnte, der 22. Juli dürfe nie vergessen werden. «Kommende Generationen müssen lernen, das Böse zu erkennen, damit so etwas nie wieder passieren kann», sagte Hestnes in dem Gottesdienst.

Die Jugendorganisation der Arbeiterpartei, AUF, veranstaltete auf der Landseite gegenüber der Insel Utøya eine Gedenkfeier. Der Vorsitzender der AUF, Eskil Pedersen, schilderte, wie schmerzhaft es für ihn sei, sich an die zu erinnern, die nun nicht mehr dabei seien. «Heute sind wir alle mit Trauer erfüllt. An manchen Tagen fühlen wir Wut, vielleicht auch Hass», sagte Pedersen. «Aber für mich ist die Sehnsucht das stärkste Gefühl.» Wie auch Ministerpräsident Stoltenberg rief er dazu auf, Extremismus und Fremdenfeindlichkeit zu bekämpfen. «Wir ehren die Toten, indem wir eine Gemeinschaft pflegen, die Platz für alle hat.»

Von der Gedenkveranstaltung auf der Insel Utøya war die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Angehörige und Überlebende sollten die Gelegenheit bekommen, ungestört zu trauern. Am Wochenende war die Insel für Besucher zugänglich. Rund 600 Menschen kamen. «Es war eine gute Stimmung», sagte Trond Henry Blattmann von der Unterstützergruppe, die sich nach dem 22. Juli gegründet hatte. Die Besucher hätten sich wohl und sicher gefühlt. Viele seien zum ersten Mal auf der Insel gewesen.

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