06. Juni 2012

Devisen: Euro macht Boden gut - Hoffnung auf EZB und spanische Bankenrettung

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Euro <EURUS.FX1> hat am Mittwoch trotz schwacher Konjunkturdaten Kursgewinne verbuchen können. Die Hoffnungen der Anleger liegen auf der Europäischen Zentralbank (EZB) und raschen Hilfen für Spanien. Wie erwartet, hat die EZB ihre Geldpolitik zunächst zwar nicht weiter gelockert, aber immerhin grundsätzliche Handlungsbereitschaft signalisiert. Die Gemeinschaftswährung notierte zur Wochenmitte fast durchgehend im Plus und erreichte am Vormittag ein Hoch von 1,2528 US-Dollar. Die Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi im Anschluss an den Zinsentscheid schickten den Kurs am Nachmittag auf Berg- und Talfahrt. Zuletzt wurde der Euro knapp unter der Marke von 1,25 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,2485 (Dienstag: 1,2429) Dollar festgesetzt.

"Obwohl die EZB vorerst noch stillhält, hat der Markt die Botschaft erhalten, dass sie im Zweifelsfall bereit zum Handeln ist", sagte Rainer Sartoris, Devisenexperte vom Bankhaus HSBC Trinkaus. Vor allem Draghis Aussagen in der Pressekonferenz, wonach einige Mitglieder des EZB-Rats sich für eine Zinssenkung aussprachen, hielten die Hoffnung auf ein baldiges Eingreifen der Notenbanker hoch. Offensichtlich wolle die EZB zunächst den Handlungsdruck auf die Politik aufrechterhalten. Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, erwartet im Juli einen Zinsschritt um mindestens 0,25 Prozentpunkte. Mit der Formulierung "gestiegener Abwärtsrisiken" habe die EZB die Tür dafür ein Stück weiter geöffnet.

Bevor Draghi am Nachmittag die Bühne enterte, hatten die Finanzmärkte bereits einige schlechte Nachrichten von der Konjunkturfront zu verarbeiten: So stürzt die spanische Wirtschaft immer weiter ab - die Industrieproduktion ist im April noch stärker eingebrochen als erwartet. Auch Deutschland gerät zunehmend in den Abwärtssog: Die Gesamtproduktion sank im April mehr als doppelt so stark wie von Volkswirten erwartet. Zumindest einen kleinen Lichtblick in Sachen Schuldenkrise sahen Anleger zur Wochenmitte: Nach diversen Medienberichten über Rettungspläne stieg die Zuversicht, dass die Euro-Partner Maßnahmen zur Unterstützung Madrids bei den Problemen im Bankensektor ergreifen.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,80630 (0,81005) britische Pfund <GBPVS.FX1>, 98,82 (97,25) japanische Yen <JPYVS.FX1> und 1,2008 (1,2010) Schweizer Franken <CHFVS.FX1> fest. In London wurde der Preis für die Feinunze Gold am Nachmittag mit 1.635,00 (Freitag:1.606,00) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 41.260,00 Euro (Vortag: 40.640,00 Euro).

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