21. Juni 2012

Devisen: Euro sinkt wegen Verfassungsgericht unter Marke von 1,26 US-Dollar

NEW YORK (dpa-AFX) - Der Kurs des Euro <EURUS.FX1> ist am Donnerstag wegen der Unsicherheit um den permanenten Euro-Rettungsschirm ESM unter die Marke von 1,26 US-Dollar gefallen. Die Ratifizierung der Verträge zum ESM und zum europäischen Fiskalpakt in Deutschland könnte sich verzögern. Die europäische Gemeinschaftswährung stand zuletzt bei 1,2556 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor noch auf 1,2670 (Mittwoch: 1,2704) Dollar festgesetzt.

"Die mögliche Verzögerung oder gar Ablehnung des dauerhaften Euro-Rettungsschirms ESM durch das Bundesverfassungsgericht hat den Euro unter Druck gebracht", sagte Ulrich Leuchtmann, Leiter des Devisenresearchs bei der Commerzbank. Die jüngste Erholung des Eurokurses habe ganz entschieden auf der Hoffnung beruht, dass der ESM an den Anleihemärkten der Krisenländer eingreift.

Bundespräsident Joachim Gauck jedoch wird die Gesetze zum europäischen Fiskalpakt und zum Rettungsschirm ESM zunächst nicht unterzeichnen. In einer Erklärung des Präsidialamtes hieß es: "Das Bundesverfassungsgericht hat heute den Bundespräsidenten vorsorglich gebeten, von einer Ausfertigung der Gesetze zum ESM und zum Fiskalvertrag zunächst abzusehen, um dem Gericht ausreichend Zeit zur Prüfung angekündigter bzw. bereits vorliegender Eilanträge zu geben." Der Bundespräsident beabsichtige, dieser Bitte stattzugeben.

"Falls der ESM nicht in Kraft tritt, würden die Mittel des bisherigen Rettungsschirms EFSF nicht ausreichen, um Spanien und Italien dauerhaft zu helfen", sagte Leuchtmann. Eine mögliche Ablehnung des ESM wäre ein "großer Rückschlag" für die Euro-Rettung. "Auch die großen Hoffnungen auf den EU-Gipfel Ende Juni wurden so stark gedämpft." Der Weg hin zu einer Fiskalunion könnte ohne den Fiskalpakt blockiert werden.

Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige