09. Mai 2012

Abschluss im Gribkowsky-Prozess in Sicht

München (dpa) - Im Mammutprozess gegen den ehemaligen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky wegen Schmiergeldzahlungen beim Formel 1-Verkauf rückt das Ende näher.

Gribkowsky-Prozess
Der frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky. Foto: Frank Leonhardt
dpa

Nach mehr als einem halben Jahr Verhandlungsdauer vor dem Landgericht München setzte der Vorsitzende Richter Peter Noll eine Frist für weitere Anträge der Verteidiger bis diesen Freitag (11. Mai). Dann werde er die Beweisaufnahme schließen, kündigte er am Mittwoch an. Plädoyers und Urteil wären somit Ende Mai oder im Juni möglich. Die Verteidiger wollen die letzte Chance für Anträge aber noch nutzen.

Gribkowsky muss sich seit Oktober wegen Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten, weil er bei dem Verkauf der Formel 1-Anteile der BayernLB heimlich 44 Millionen Dollar von dem Chef der Rennserie, Bernie Ecclestone, kassiert haben soll. Weil Gribkowsky zu den Vorwürfen schweigt, vernahm das Gericht Dutzende Zeugen.

Als einer der letzten wurde am Mittwoch ein Polizist des Landeskriminalamts befragt, der bei der Verhaftung Gribkowskys im Januar 2011 dabei war. Im Arbeitszimmer der Villa Gribkowskys fielen dem Beamten damals Papiere auf, die anscheinend frisch geschreddert waren. «Der Schredder war warm», sagte der Zeuge.

Außerdem habe Gribkowsky die Polizisten und Staatsanwälte erst einige Minuten warten lassen, bevor er die Tür öffnete. Der Polizist hatte deshalb den Verdacht, dass Gribkowsky in dieser Zeit Unterlagen zerkleinert hatte, und stellte die «Schreddermasse» in dem Aktenvernichter sicher. Ob es sich um brisante Dokumente handelte, bleibt aber ein Rätsel: Dem LKA gelang es nicht, die Papierschnipsel wieder zusammenzufügen.

Die Beamten schalteten deshalb sogar die Stasi-Unterlagen-Behörde ein, die mit der Rekonstruktion von zerrissenen Dokumenten Erfahrung hat. Dort hätte die Wiederherstellung der geschätzt rund 30 Seiten aber 85 000 Euro gekostet - Erfolg ungewiss.

«Die Staatsanwaltschaft hat entschieden, dass es nicht versucht werden soll», sagte der Polizist. Gribkowskys Anwälte betonten, aus der Temperatur des Aktenvernichters könne nicht geschlossen werden, dass er unmittelbar vor der Verhaftung benutzt worden war - auch durch den Strom könne das Gerät warm gewesen sein.

In der Villa beschlagnahmten die Ermittler zahlreiche Dokumente, darunter auch eine ältere Diskette, auf der laut Beschriftung ein Beratervertrag mit der Formel 1 gespeichert war. Ansehen konnten die Richter die Dokumente aber nicht, da das LKA nach Angaben des Zeugen erst nach einem geeigneten Computer für die veraltete Diskette suchen muss.

Der Vorsitzende Richter Peter Noll äußerte sich verwundert. «LKA - die Speerspitze der bayerischen Polizei. Sie werden doch wohl eine Diskette auswerten können.» Auch das Finanzamt griff in Gribkowskys Haus zu: Als Pfand für Steuerschulden nahm der Fiskus unter anderem Fitnessgeräte, eine Schneefräse und Wein mit, sagte ein Finanzbeamter als Zeuge aus.

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