14. November 2013

Airbus verleiht Flügel: EADS mit Gewinnsprung

München (dpa) - Airbus füllt dank praller Auftragsbücher die Kassen der Konzernmutter EADS. Der anhaltende Erfolg des Flugzeugbauers ließen den Gewinn des europäischen Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzerns im dritten Quartal um stattliche 45 Prozent auf 436 Millionen Euro anwachsen.

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EADS heißt bald Airbus. Und die wichtigste Tochter des Luft- und Raumfahrtriesen zeigt im dritten Quartal erneut Stärke. Dank der prallen Auftragsbücher des Flugzeugbauers macht der Gewinn der Konzernmutter einen gewaltigen Satz. Foto: Patrick Seeger
dpa

Das teilte EADS am Donnerstag mit. «Dennoch stehen wir vor einigen großen Herausforderungen», sagte Vorstandschef Tom Enders. Das Geld, das EADS mit der zivilen Luftfahrt verdient, kann der Manager gut gebrauchen: Er baut den Konzern grundlegend um und muss vor allem die schwächelnde Rüstungssparte wieder in die Erfolgsspur bringen.

Doch auch bei Airbus stehen wichtige Aufgaben an. So muss die neue A350 nach ihrem Erstflug im Juni noch fit für die Zulassung gemacht werden. Der Flieger soll Boeings «Dreamliner» und der größeren Boeing 777 Konkurrenz machen und bis spätestens Ende 2014 erstmals geliefert werden. EADS-Finanzchef Harald Wilhelm erwartet, dass das Modell trotz hoher Anlaufkosten noch in diesem Jahrzehnt Gewinn abwirft.

An diesem Ziel hat EADS beim weltgrößten Passagierflieger A380 noch zu knabbern. Das Modell soll im Jahr 2015 die Gewinnschwelle erreichen - wenn genügend Bestellungen eingehen und Airbus 30 Maschinen pro Jahr bauen kann. Bisher sieht es eher trübe aus.

Eigentlich wollte Airbus dieses Jahr 25 Bestellungen einsammeln. Stand derzeit: Null. Wilhelm ist aber zuversichtlich, dass in den noch verbleibenden Wochen ein Großteil der erhofften Aufträge eingeht, zumal der Flugzeugfinanzierer Doric im Juni einen Vorvertrag über 20 Maschinen unterzeichnet hat, der nur fixiert werden muss.

Das Problem: Baut Airbus die bestellten Maschinen zu schnell, könnte bei weiter ausbleibenden Aufträgen den Fabriken langsam aber sicher die Arbeit ausgehen. Boeing hatte wegen ausbleibender Aufträge jüngst die Produktion des Jumbos 747-8 gedrosselt. Die Kunden greifen derzeit lieber zu kleineren Langstreckenjets, die einfacher zu füllen und damit für Airlines flexibler und günstiger einsetzbar sind.

Mit den Schwierigkeiten der 747-8 will Wilhelm die zögerlichen Bestellungen für die A380 aber nicht vergleichen. Insgesamt kann sich Airbus ohnehin kaum beklagen. Nach der jüngsten Auftragsflut rechnet Enders in diesem Jahr jetzt mit mehr als 1200 Flugzeugbestellungen. Die guten Zahlen treiben den Umsatz des gesamten Konzerns, er stieg im dritten Quartal um elf Prozent auf 13,6 Milliarden Euro.

Der operative Gewinn wuchs um 26 Prozent auf 663 Millionen Euro - und ging zu zwei Dritteln auf das Konto des Verkehrsflugzeugbauers. Die militärische Airbus-Sparte hingegen glänzt kaum: Nachdem das erste A400M-Exemplar im Sommer mit mehreren Jahren Verspätung an die französischen Streitkräfte ausgeliefert wurde, sollen dieses Jahr nur drei statt vier Fliegern den Weg zu den Kunden finden.

Auch im übrigen Konzern ist die Rüstung die größte Baustelle, vor allem weil die europäischen Regierungen bei teuren Rüstungsprojekten kräftig sparen. Enders hatte zuletzt angekündigt, nicht nur die Konzernmutter EADS künftig den Namen Airbus zu geben, sondern auch die Struktur zu verändern. Dabei sollen etwa die schwächelnde Rüstungssparte Cassidian, die Weltraumtochter Astrium und Airbus Military zur Sparte Airbus Defence & Space zusammengelegt werden.

Der Konzern wird damit seinem Rivalen Boeing in Struktur und Aufstellung deutlich ähnlicher. Die Mitarbeiter müssen sich aber auf deutliche Veränderungen einstellen - bis hin zum Jobverlust. Bereits vor einem Jahr hatte Rüstungschef Bernhard Gerwert die nötigen Streichungen intern auf bis zu 850 Stellen beziffert. Ob und wie viele noch dazukommen, will EADS noch in diesem Jahr erklären.

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